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„Herrenabend“ mit Götz Alsmann

Abends Hausfrau, morgens Vamp

Von Brigitte Schmitz-Kunkel, 15.03.10, 12:22h

Beim "Herrenabend" im Tanzbrunnen zeigt Götz Alsmann seine beeindruckende Sammlung an erotischen Magazinen, die er seit einem Flohmarktbesuch 1971 in Münster sammelt. Die provokante Titelblatt-Schau ist auch was für Frauen.

Götz Alsmann
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In pikanten Postillen der 40er und 50er Jahre blätterte Götz Alsmann. (Bild: Brill)
Götz Alsmann
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In pikanten Postillen der 40er und 50er Jahre blätterte Götz Alsmann. (Bild: Brill)
KÖLN. Die Amazone im Leopardenbikini spannt keck den Bogen, eine nackte Schöne räkelt sich - "Nicht für Jugendliche!" - auf dem Cover von "Capriccio", dem "exquisiten Magazin", ein Kapitänchen baumelt am kleinen Finger einer süßen Matrosin. Und dann das: ",Paprika' zu scharf!" urteilt die Stuttgarter Staatsanwaltschaft über das "Magazin für Optimisten". Oh la la, sowas bei der lit.Cologne?

Und ob - wenn Entertainer Götz Alsmann, die Festival-Allzweckwaffe für köstliche Wiederentdeckungen (Wilhelm Busch, Karl May) die delikate Bückware der 40er und 50er Jahre hervorkramt, darf sich auch die Dame von heute auf einen gepflegten "Herrenabend" freuen. Zwei Mal lüpfte Alsmann mit seiner vierköpfigen Combo im ausverkauften Theater im Tanzbrunnen die Titelblätter der Magazine, die er seit einem Flohmarktbesuch 1971 in Münster sammelt.

Was da ans helle Licht kommt! Mit schmuddeligem Pornogegrabbel hatte das rein gar nichts zu tun. Die Postillen für den Lebemann von Welt hatten mehr zu bieten, "einiges war fast schon Literatur", findet Alsmann. Zum Beispiel seine Lieblingsschlagzeile: "Neue Negertänzerin im Bagdad, Düsseldorf". Oder Dr. Elsers Abhandlung "Warum Angst vor Liebe?", die vor Impotenz durch den Genuss von Rauschgiften wie Äther, Morphium, Kaffee und Tee zu warnen weiß.

Ach, und all die Frauen. "Ist die Französin leichtfertig?" fragte Irmgard Pfützner in ihrer Untersuchung, und stellt fest, dass diese "gefährlichen Meisterinnen der Unanständigkeit" es tatsächlich schaffen, tagsüber ein Vamp zu sein und "abends eine fröhliche kleine Hausfrau, die ihrem Mann ein Beefsteak serviert".

Eine Trouvaille nach der anderen servierte Alsmann mit spürbarem Spaß dem amüsierten Publikum; ein höchst kurzweiliger Ausflug in eine unfassbar fern erscheinende Ära der Spießigkeit, in der auch Jazzmusik noch ein Frontalangriff auf die guten Sitten darstellte.

Denn auch um Film und Musik ging es in diesen Magazinen, um Witze, Mode und Kurzgeschichten, die Lebenshilfe gaben im Umgang mit dem weiblichen Geschlecht. Das hier natürlich auch mehr oder weniger verhüllt posierte. Für Ablenkung von den groß projizierten Holden sorgte neben dem Meister an der rotsamten verkleideten Orgel die stilsichere Band mit Schlagern der Zeit.

Manchmal hätte man sich ein bisschen mehr von der alsmannesken Spontanität gewünscht, doch die war wohl dem Umstand geopfert, dass die Auftritte als Live-Mitschnitt aufgezeichnet wurden. Das Hörbuch erscheint im Mai - zum nächsten "Herrenabend", auch für Damen.



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