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Frankreich

Millionen sahen Folter-Experiment

Erstellt 18.03.10, 13:58h

Schockierendes Experiment im französischen Fernsehen: 80 Teilnehmer einer imaginären Fernsehshow wurden aufgefordert, einem Kandidaten in einem Quiz bei falschen Antworten Stromstöße zuzufügen. Das lockte drei Millionen Zuschauer vor den Fernseher.

Todesspiel
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Drei Millionen Zuschauer waren bei der "Folter" live dabei. (Screenshot: KR)
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Drei Millionen Zuschauer waren bei der "Folter" live dabei. (Screenshot: KR)
PARIS - Ein umstrittener Dokumentarfilm über ein Folter-Experiment hat in Frankreich etwa drei Millionen Zuschauer vor die Fernseher gelockt. France 2 erzielte mit "Todesspiel" am Mittwochabend einen Marktanteil von knapp 14 Prozent. Regisseur Christophe Nick hatte zeigen wollen, wie einfach sich Menschen zu Grausamkeiten drängen lassen. Für das Experiment wurden 80 Teilnehmer einer imaginären Fernsehshow aufgefordert, einem Kandidaten in einem Fragespiel bei falschen Antworten Stromstöße zuzufügen. Etwa 80 Prozent erhöhten die Voltzahl, bis das schreiende Opfer verstummte. Erst später wurde aufgelöst, dass die Stromstöße nicht echt waren.

Der Filmemacher Christophe Nick griff damit auf ein Experiment des US-Wissenschaftlers Stanley Milgram aus den 60er Jahren zurück. Milgram hatte unter dem Eindruck der Nazizeit zeigen wollen, dass fast jeder Mensch dazu gebracht werden kann, einer Autorität zu gehorchen anstatt seinem Gewissen zu folgen. Milgram sagte seinen Versuchsteilnehmern, dass sie im Namen der Wissenschaft einem Menschen Stromstöße zufügen sollten. Mehr als 60 Prozent von ihnen gehorchten. Regisseur Nick hingegen wollte demonstrieren, dass selbst eine Fernsehshow Menschen in die Rolle von Folterknechten drängen kann.

Mehrere französische Medien kritisierten den Dokumentarfilmer für seinen Ansatz. Zahlreiche Teilnehmer an dem Experiment hätten ohnehin nicht geglaubt, dass es sich um echte Stromstöße und ein lebendes Opfer handle, schrieb "Libération". Der Soziologe Gérald Bronner wirft Nick vor, er verfolge eher ideologische als wissenschaftliche Gründe. "Er wollte unbedingt demonstrieren, dass das Fernsehen seine Zuschauer zu Barbaren macht. Es handelt sich um eine Manipulation", sagte er der Zeitung "Le Figaro". (dpa)



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