Von Martin Sauerborn, 18.03.10, 20:57h, aktualisiert 18.03.10, 20:58h
Der Leverkusener Trainer wird es sicher verschmerzen können, dass nicht jeder rund um die BayArena sich damit auskennt, wer er ist und was er so treibt. Hauptsache seine Spieler wissen, mit wem sie es zu tun und was sie vor einer brisanten Partie wie der in Dortmund von ihm zu erwarten haben. Das gestrige Training jedenfalls vermittelte den Eindruck, dass jeder der Bayer-Profis in der Startelf stehen will, wenn es vor 80 000 Zuschauern im ausverkauften Signal-Iduna-Park gegen den Tabellenvierten darum geht, den dritten Rang weiter nach hinten abzusichern.
An diesem Punkt aber fangen die Probleme von Jupp Heynckes an. Er kann nur elf Spieler aufstellen. Nach dem grandiosen Auftritt beim 4:2 gegen Hamburg und der Rückkehr der gegen den HSV gesperrten Toni Kroos und Stefan Reinartz eine knifflige Aufgabe. „Ich sehe es positiv, dass ich wieder über mehr Alternativen verfüge“, erklärte Heynckes unaufgeregt.
Für Kroos, bis zu seiner Gelb-Pause unumstrittener Stammspieler, müsste Renato Augusto oder Tranquillo Barnetta weichen, die beide gegen den HSV eine starke Leistung abgeliefert hatten. Stefan Reinartz, der unter der Woche an Magen-Darm-Problemen litt, würde Gonzalo Castro verdrängen, der am Sonntag im defensiven Mittelfeld neben Arturo Vidal überragend agierte. „Gonzalo und Arturo haben sich sehr gut ergänzt. Aber wir brauchen auch auf den Außenpositionen schnelle, offensivstarke Spieler“, löste Heynckes das Aufstellungsrätsel nicht. Castro sieht die Dinge gelassen: „Ich vertraue unserem Trainer und spiele dort, wo er mich aufstellt.“
Klarheit besitzt dagegen Patrick Helmes, dem seine andauernde Reservistenrolle bei Bayer wohl die WM-Teilnahme kosten wird. „Das ist ein Dilemma für ihn, aber er hat meine volle Unterstützung und kann noch ein ganz entscheidender Spieler für uns werden“, tröstete Heynckes.
Entscheidend, weil Leverkusen auf der Zielgeraden der Saison all seine Stärken aufbieten muss, um im Dreikampf mit Schalke und Bayern München zu bestehen: „Wir werden alles daran setzen, oben zu bleiben“, deklarierte Heynckes die verbleibenden Partien zu „acht Endspielen“.
Bleibt die Frage, wen der erfahrene Bayer-Chefausbilder denn nun gegen die „junge, laufstarke und hungrige Elf“ von Kulttrainer Jürgen Klopp auf den Rasen schickt: „Ich muss bei jedem genau hinschauen und dann die Richtigen nominieren. Aber vor Fehlern bin ich dabei natürlich nicht geschützt.“ Auch ein Jupp Heynckes erkennt eben nicht alles. Zum Beispiel: Die junge Dame vor dem Mediensaal entpuppte sich bei näherer Betrachtung als junger Mann - mit Pferdeschwanz.
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