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Barclays Bank

Milliardenstreit um Lehman-Kauf

Erstellt 19.03.10, 12:48h

Die Lehman-Pleite von September 2008 beschäftigt erneut die Gerichte. Barclays hatte das US-Kerngeschäft von Lehman für zwei Milliarden Dollar gekauft - ein glänzendes Geschäft, wie sich herausstellte. Die Nachlassverwalter wollen den Verkauf anfechten.

Lehman Brothers
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Ein Anleger, der in Zertifikate der US-Bank Lehman Brothers investiert hat, hält ein Transparent während einer Mahnwache vor dem Landgericht in Hamburg hoch. (Bild: dpa)
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Ein Anleger, der in Zertifikate der US-Bank Lehman Brothers investiert hat, hält ein Transparent während einer Mahnwache vor dem Landgericht in Hamburg hoch. (Bild: dpa)
NEW YORK - Die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers vor anderthalb Jahren sorgt weiter für Zündstoff. Besonders der Notverkauf des nordamerikanischen Kerngeschäfts an die britische Barclays Bank erregt die Gemüter. Das heutige Management wirft Barclays vor, durch Kungeleien einen viel zu niedrigen Preis gezahlt zu haben. Den "Schaden" bezifferte Lehman Brothers am Donnerstag in einem Schreiben an das Insolvenzgericht in New York auf 11 Milliarden Dollar.

Vor einem halben Jahr, als der Streit zum ersten Mal hochkochte, war noch von 8,2 Milliarden Dollar die Rede gewesen. Seitdem, so sagt Lehman Brothers, seien neue Posten aufgetaucht. Die Aufarbeitung des Bankrotts, der im September 2008 die Finanzwelt erschütterte, gipfelte jüngst in einem 2.200 Seiten starken Bericht eines Sonderermittlers. Lehman Brothers hatte sich wie so viele andere Institute mit komplizierten Hypothekenpapieren verspekuliert.

Der Nachlassverwalter von Lehman Brothers will mehr Geld für die Gläubiger herausschlagen. Es wirft Barclays vor, vielen damaligen Entscheidungsträgern der Investmentbank lukrative Posten im eigenen Hause versprochen zu haben. Die Bankmanager hätten daraufhin alleine einen 5 Milliarden Dollar schweren "Rabatt" auf die Vermögenswerte gewährt. Dieser Umstand sei dem Insolvenzrichter und dem Verwaltungsrat, die beide dem Verkauf zustimmen mussten, verschwiegen worden.

Barclays hatte die Vorwürfe bereits als "opportunistisch" und ohne Aussicht auf Erfolg zurückgewiesen. Lehman Brothers wolle jetzt, wo sich die Wirtschaft stabilisiere, schlicht einen höheren Preis herausschlagen. Nachverhandlungen wären ein schlechtes Zeichen für künftige Verkäufe von problembehafteten Bankwerten, gab Barclays zu bedenken.

Kaufpreis mit Risikoabschlag - Lehman-Kunden warten auf Entschädigung

Der Verkauf war nur wenige Tage nach der Pleite von Lehman Brothers am 15. September 2008 über die Bühne gegangen. Barclays war zu dem Zeitpunkt der einzige Bieter, der sich an die Reste der Investmentbank herantraute. Die Briten zahlten letztlich nicht ganz 2 Milliarden Dollar für den dicksten Batzen an einer der ehemals mächtigsten Banken der Welt. Den Schnäppchenpreis begründeten beide Seiten damals mit den möglicherweise noch in den Büchern schlummernden Risiken.

Bereits im Juni 2009 hatte ein Richter festgestellt, dass in der Eile des Verkaufs Fehler gemacht wurden. Im April soll der Fall nun nochmals vor dem Insolvenzgericht zur Sprache kommen. Das Geschäft, das bestreitet auch Barclays nicht, hat sich für die Briten gelohnt: Gleich nach dem Zukauf verbuchten sie einen milliardenschweren Sondergewinn. Barclays gehört damit zu den Gewinnern der Finanzkrise.

Zu den Verlierern gehören viele der 65.000 Gläubiger von Lehman Brothers, die noch immer auf Ihr Geld warten. Sie haben Ansprüche über rund 830 Milliarden Dollar angemeldet. Der Bericht des Sonderermittlers hatte jüngst offengelegt, dass Lehman Brothers schon Monate vor dem Bankrott auf wackeligen Beinen stand. Die Bankführung kaschierte die Lage durch Bilanztricks. Neben den Buchprüfern von Ernst & Young steht auch die Börsenaufsicht SEC in der Kritik. Es geht um die Frage, warum sie nicht eingegriffen hat. (dpa)



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