Von Kerstin von Kalckreuth, 19.03.10, 22:31h, aktualisiert 21.03.10, 22:23h
Manager Meier verteidigt seine Mannschaft
Warum der Zorn der rot-weißen Massen ausgerechnet Womé traf, war eine von vielen offenen Fragen, mit denen sich Manager Michael Meier noch in der Nacht zu Samstag auseinandersetzen musste. Der Kameruner hatte keine Top-Leistung abgeliefert, gehörte aber auch keineswegs zu den schwächsten Geißböcken an diesem Freitagabend. „Er hat Präsenz gezeigt und versucht, Pässe in die Tiefe zu spielen. Das war bei diesem Spiel nicht einfach. Ich musste ihn schützen“, erklärte Soldo. Der Kroate betonte allerdings explizit, dass er die Auswechslung eh geplant hatte, „um die Offensive zu stärken“.
Pierre Womé gelang das Wunder, trotz der demoralisierenden Pfiffe noch zwei herrliche Diagonalpässe zu spielen und einen Torschuss abzugeben. Dann durfte Ehret ran. Nur vier Minuten später verhinderte ausgerechnet der schon als „Söldner“ verhöhnte Maniche mit einem tollen Schuss zum 1:1-Endstand (79.), dass der Abend in einer Katastrophe für Soldo & Co. mündete. Die Profis verzichteten nach dem Spiel trotzdem auf den Gang vor die Südtribüne, um sich bei den Zuschauern zu bedanken. Und die Fans waren tatsächlich nur teilweise versöhnt. Zu schwach sind die Vorstellungen der Kölner in dieser Bundesligasaison im eigenen Stadion. Zudem wartet Soldos Mannschaft nun seit sieben Spielen auf einen Sieg und ist wieder mittendrin im Abstiegskampf. Einige Zuschauer haben offensichtlich ernsthafte Zweifel, ob die Klasse mit Soldo gehalten werden kann. „Die Rufe haben mich nicht gestört, ich habe mich auf das Spiel konzentriert“, sagte der Trainer. „Wir haben mit dem Ausgleich die richtige Antwort gegeben“, sprang Lukas Podolski seinem Coach bei. Dass in so einer Situation dessen Rauswurf von den Fans gefordert wird, hält Meier für „normal“. Weitaus tiefer getroffen war der Manager von den Pfiffen gegen Womé. „Das finde ich traurig und man muss nicht alles hinnehmen. Die Pfiffe gegen die Mannschaft gehen in Ordnung, aber dass sich die Fans einen herausgreifen, finde ich nicht okay. Das habe ich in dieser Form noch nicht erlebt“, polterte Meier: „Daran, dass Pierre in so einer Situation die Ruhe bewahrt hat, sieht man, dass er ein guter Profi ist.“
Seit Tagen verteidigt Meier vehement die Spieler jener Mannschaft, für deren Zusammensetzung er verantwortlich zeichnet. Der Manager macht dabei einen feinen Unterschied zwischen „Mentalität“ und „Charakter“: „Dass eine Mannschaft relativ schnell zufrieden ist, ist eine Mentalitätssache. Aber keiner der Spieler, die gegen Gladbach auf dem Platz standen, hat einen schlechten Charakter.“
Nur können viele der kölschen Charakterköpfe besser spielen, als sie es am Freitag getan haben. „Wir müssen den Kampfgeist noch mehr ins Spiel bringen“, sagte Stürmer Sebastian Freis mit Blick auf das nächste bedeutsame Duell im Abstiegskampf am Samstag in Hannover. Dort müssen die Kölner auf den nach seiner fünften Gelben Karte gesperrten Innenverteidiger Pedro Geromel verzichten.
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