Von Martin Sauerborn, 20.03.10, 20:28h, aktualisiert 21.03.10, 22:17h
Die Vertreter der Ursachenforschung schüttelten nach 90 aufregenden Minuten zunächst ihre weisen Häupter und blieben anschließend an einer Vorsichtsmaßnahme hängen. Die betraf Bayer-Torjäger Stefan Kießling, den Trainer Jupp Heynckes wegen einer leichten Muskelverletzung im linken Oberschenkel in der Pause rausnahm. „Wir mussten durch die Auswechslung umstellen, und das hatte Auswirkungen, weil wir eine feste Zuordnung bei Standardsituationen haben. Das hat offensichtlich für etwas Verunsicherung gesorgt“, versuchte Heynckes die Geschehnisse einzuordnen. Nach einer von Tamas Hajnal getretenen Ecke hatten Daniel Schwaab am kurzen Pfosten und Manuel Friedrich im Abwehrzentrum die Orientierung verloren. Patrick Owomojela verlängerte und Lucas Barrios netzte mit dem zweiten BVB-Torschuss zum 1:0 ein (50.). Ein Treffer, der die erste Partie dieses Abends für beendet erklärte und die zweite einläutete.
45 Minuten lang hatte nämlich Leverkusen Spiel und Gegner brutal beherrscht. Bestens organisiert, aggressiv und mit spielerischer Leichtigkeit schien Bayer den Münchner Ausrutscher von Frankfurt konsequent ausnutzen zu wollen. Dortmund fand nicht statt - weder auf dem Feld noch auf den Rängen der mit 80 100 erwartungsfrohen Zuschauern gefüllten Arena. „Ein Klassespiel von uns. Wir hätten 3:0 gewinnen müssen und haben schließlich 0:3 verloren“, rang Jupp Heynckes um Fassung. Kießling (11. / 35.) und Eren Derdiyok (20. / 42.) sammelten vier Bayer-Hochkaräter, doch ein vorzüglicher Roman Weidenfeller im BVB-Gehäuse und der Pfosten standen einem Treffer im Weg.
Was den Leverkusener Angreifern am Samstag an Effizienz abging, hatte Barrios in sich versammelt. Mit dem 1:0 erlegte der „Panther“ die Leverkusener, um sie nach einer Stunde mit dem 2:0 gepflegt ganz zu zerlegen. Vorausgegangenen waren ein gruseliger Fehlpass von Renato Augusto und ein erneuter Stellungspatzer von Friedrich. „Wir haben dumme Fehler gemacht und Dortmund hat sie bestraft. In der Analyse wird leicht zu sehen sein, was bei uns falsch war“, sagte Bayer-Abwehrchef Sami Hyypiä über den 15-minütigen Komplettaussetzer. Im Alter von 36 Jahren kennt man sich auch mit den allgemein gültigen Gesetzmäßigkeiten des Fußballs aus. „Die Geschichte dieses Spiels war, dass wir unsere Chancen nicht verwerten und so unser Selbstbewusstsein nicht stärken konnten. Das rächt sich, und nach dem 0:1 waren wir sofort down“, beschrieb der Finne, dass keinerlei Aufbäumen der Bayer-Elf zu erkennen war.
Eine Reihe von Erklärungsversuchen für die durch Dimitar Rangelovs 3:0 (87.) komplettierte zweite Saisonniederlage der Leverkusener also, denen Jupp Heynckes noch eine hinzufügen wollte: „Es ist eine junge Mannschaft mit Spielern, die ihre erste Bundesliga-Saison bestreiten“, entschuldigte der Trainer den mentalen Blackout in der zweiten Hälfte mit Unerfahrenheit.
Als Trost im Kampf um die Meisterschaft bleiben die Niederlage der Bayern und das Remis von Schalke in Hamburg. „Es ist nichts passiert“, meinte Heynckes und vergaß wohl kurz, dass der Vorsprung auf den Vierten Dortmund auf fünf Punkte geschmolzen ist.
ahmed hazem diab
21.03.2010 | 12.31 Uhr | ahmed hazem
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