Von Bastian Rudde, 21.03.10, 08:53h, aktualisiert 21.03.10, 22:18h
Es sei ein K.o. gewesen, der ihm gerade noch rechtzeitig gelungen sei, resümierte Klitschko. Ein entschädigendes Finale für „zwölf Runden, die ich als Zuschauer vielleicht langweilig gefunden hätte“. Damit übertrieb der 33-jährige Titelträger der Weltverbände IBF und WBO allerdings. Der 57. Kampf seiner Karriere, er war einseitig, nicht langweilig. Und danach stand dieselbe Frage im Raum wie nach nahezu jedem Fight der Klitschkos in den vergangenen paar Jahren, egal ob von Wladimir oder seinem älteren Bruder Vitali (38). Dominieren die Ukrainer das Schwergewicht, weil sie so gut sind? Oder ist das Niveau der Gewichtsklasse zu niedrig, um sie zu gefährden? Auf das Duell Wladimir Klitschkos gegen Eddie Chambers traf beides zu.
Chambers war Pflichtherausforderer der WBO, die Nummer eins der Rangliste des Verbandes und - dies hatten Klitschko und sein Lager immer wieder betont - der wohl schwierigste Gegner, den das Schwergewicht derzeit zu bieten habe. Ein flinker Boxer mit einem ungeheuren Hunger auf Klitschkos Titel. Diese blieben für den 27-jährigen Chambers jedoch unerreichbar, weil er zwar halbwegs so begann, wie er es sich vorgenommen hatte, dann aber resignierte.
Bis auf eine Ausnahme in Runde zwei schaffte es Chambers im ersten Drittel des Kampfes, klare Wirkungstreffer Klitschkos zu vermeiden. Und auch offensiv ging etwas, meist zum Körper Klitschkos und meist dann, wenn der 15 Zentimeter größere Titelverteidiger in der Vorwärtsbewegung Lücken offenbarte.
Diese Treffer reichten nicht, um Klitschko, der sich wie immer auf die Dominanz seiner variablen Führhand verlassen konnte, auf den Punktzetteln zu gefährden. Immerhin jedoch legten sie nahe, dass für Chambers im weiteren Verlauf mehr hätte drin sein können, hätte er mutiger attackiert. Dies tat oder konnte er aber nicht.
„In der sechsten Runde habe ich gefühlt, dass Eddie mental aufgab“, sagte Klitschko. Spätestens in Runde zehn war das, was er bereits gespürt hatte, auch auf den hintersten Plätzen der Arena angekommen. Selbst von der vorherigen Rundenpause, in der er einen defekten Handschuh hatte wechseln müssen und die deshalb drei statt einer Minute gedauert hatte, profitierte Chambers konditionell nicht. Er konnte nicht länger, Klitschko wollte nicht länger. Das Warten auf den Knock out begann, Anfang der Zwölften lechzte das Publikum danach. Gerade noch rechtzeitig sorgte Klitschko mit einem linken Kopfhaken für Befriedigung.
„Wladimir hat sehr diszipliniert geboxt, sehr professionell. Er blieb bei seinem Plan, egal was passierte“, analysierte Chambers. Ebenso wie die sieben Herausforderer vor ihm konnte auch er diesen Plan nicht durchkreuzen. Und es scheint, dass es ein bisschen länger dauert wird, bis das mal wieder jemandem gelingt.
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