Von GISBERT FRANKEN, 13.04.10, 07:06h, aktualisiert 13.04.10, 12:14h
1985 gehörte Schildgen gerade erst zehn Jahre zur Kreisstadt,. In dem Stadtteil, neugestrickt aus ehemals Odenthaler und Paffrath-Katterbacher Siedlungsgebieten, fehlte ein größerer Saal mit Veranstaltungsräumen als Kommunikationszentrum: Man entschied sich zum Neubau. Nach nur neun Monaten Bauzeit, davon zwei Monate Winterpause, legte die Verwaltung ein Punktlandung hin: 1,2 Millionen Mark (600 000 Euro) waren veranschlagt, 1,147 Millionen wurden ausgegeben. Der Standort unweit der katholischen Kirche hätte mittelpunktgerechter kaum sein können und trug zum Zusammenwachsen des Stadtteils erheblich bei.
20 Jahre später war der Traum fast ausgeträumt: Da holte die kommunale Finanzkrise die Kreisstadt zum ersten Mal ein: 2003 musste Gladbach ein Haushaltssicherungskonzept aufstellen, zu dem eine Aufstellung von Einsparmöglichkeiten gehörte, die seitdem berüchtigte „Liste der Grausamkeiten“. Unter anderem wollte man sich von den Kosten der Bürgerzentren trennen durch Schließung oder Übertragung in die Hände von Vereinen. In Schildgen kam nur der TUS mit seinen 750 Mitgliedern in Frage. Vorsitzender Heinz Büsing: „Wir haben uns natürlich nach Partnern unter den anderen Ortsvereinen umgesehen, aber die haben relativ schnell abgewunken. Für uns war hingegen klar, dass wir das Bürgerzentrum als Verein brauchen, dass wir bei einer Schließung große Raumprobleme mit unserem Kursprogramm bekommen würden. “
Seit 2005 liegt das Zentrum in der Obhut des Sportvereins, der am Anfang einiges an Lehrgeld zahlen musste. „Bis wir alle Spielregeln etwa steuerlicher Art begriffen hatten, dauerte etwas“, so Büsing. Jetzt sind die eigentlichen Verwaltungsaufgaben in einem eigens gegründeten kleinen Unternehmen gebündelt, der PlaVerDienst (PlanungVerwaltungDienstleistung). „Damit ist Professionalität und Vertragssicherheit gewährleistet und das ganze Geschehen lässt sich betriebswirtschaftlich korrekt nachvollziehen.“
Das heißt aber nicht, dass die Ehrenamtlichkeit im Träger-Kalkül keine Rolle spielt: So griffen etliche Vereinsmitglieder unentgeltlich zu Pinsel und Quast, um die Fassade zu streichen, nachdem die Stadt das gegenüberliegende Jugendzentrum FrESch frisch gemacht hatte. Überhaupt hält es sich der TUS zu Gute, die Attraktivität des Zentrums gesteigert zu haben - mit dem Erfolg, dass die Belegungen sich auf erfreulichem Niveau bewegen und der Betrieb für den Verein kostenneutral ist - natürlich mit Hilfe eines jährliche Zuschusses der Stadt, die auch größere Investitionen übernimmt, wie etwa 2009 die neue Heizungsanlage.
Der Leiter des städtischen Kulturfachbereichs, Dr. Lothar Speer, in dessen Zuständigkeit die Bürgerzentren liegen, freut sich dennoch, dass der Budgetansatz von 2003 - 100 000 Euro - halbiert werden konnte. Sorge muss allerdings der Entwurf des neuen Haushaltssicherungskonzeptes machen: Darin ist erneut die Auflösung der Bürgerzentren und der Verkauf der Liegenschaften angedacht. Damit könnten dauerhaft 34 000 Euro jährlich eingespart werden (zuzüglich Verkaufserlös, aber wer kauft ein Bürgerzentrum?) - angesichts eines städtischen Schuldenberges von 300 Millionen eine Summe, die nur läppsch genannt werden kann.
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