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Haus zieht um

Die alte Kneipe kommt ins Museum

Von Bernd Zimmermann, 15.04.10, 20:42h

Ein Haus aus Ziegelsteinen, das Anfang des 20. Jahrhunderts gebaut wurde, geht auf Reisen. In mehrere Teile zersägt, soll das Gasthaus Watteler auf zwei Tiefladern verpackt nach Kommern transportiert und im Freilichtmuseum Kommern aufgestellt werden.

Gasthaus zieht um
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Ein ganzes Gasthaus wird eingepackt und umgezogen. (Bild: LVR)
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Ein ganzes Gasthaus wird eingepackt und umgezogen. (Bild: LVR)
KOMMERN - Ein Haus geht auf Reisen: Ein Haus aus Ziegelsteinen, das Anfang des 20. Jahrhunderts gebaut wurde und als Gaststätte in Eschweiler über Feld bei Nörvenich das Dorfleben mitgeprägt hat. Am kommenden Montag, 19. April, soll das in mehrere Teile zersägte Gasthaus Watteler auf zwei Tiefladern verpackt nach Kommern transportiert und im Freilichtmuseum Kommern aufgestellt werden.

Dass ein solches Unterfangen eine logistische Herausforderung auch für Museumsleute darstellt, die es eigentlich gewohnt sind, alte Häuser abzubauen und im Museum wieder aufzubauen, machte gestern Museumsleiter Dr. Josef Mangold deutlich: „Hier handelt es sich nicht um ein Fachwerkhaus, sondern um ein Haus aus Steinen. Ein Fachwerkhaus wird zerlegt und wieder aufgebaut. Ein Steinhaus kann man nicht in alle Einzelteile zerlegen und dann wieder aufmauern.“

Für die Museumsleute des zweitgrößten deutschen Freilichtmuseums stellt die Gaststätte Watteler einen echten Glücksfall dar. Das Haus sollte wegen Bergschäden aus dem Braunkohlentagebau abgerissen werden. Und das Museum sucht für seine künftige Baugruppe der Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg Häuser für einen kleinstädtischen Marktplatz. Da kam die Gaststätte gerade recht, denn sie ist im Inneren noch so ursprünglich, wie die Kneipenkultur in den 70er Jahren im Rheinland war: Braun-orange-grüne Kacheln in den Toiletten, dazu lindgrüne Sanitärobjekte, ein in den Pastellfarben der Mittfünfziger Jahre gekachelter Flur, eine komplette Kneipenausstattung mit Schnapspumpe, den Bildern der Vereine, die Stammgäste der Kneipe waren, sowie einer Musikbox und Geldspielautomaten. Außerdem wollte die RWE-Abteilung Bergschäden den Abriss der alten Kneipe regeln. Und gemeinsam mit dem Düren-Merzenicher Abbruchunternehmer Pütz gelang es, die Kosten für die „Translozierung“ so niedrig zu halten, wie für den Abriss.

Seit drei Monaten lagern die beiden Kernstücke noch an der Abrissstelle, die Fassade und der Dachstuhl haben die Museumshandwerker schon an den Kahlenbusch gebracht. „Ich hoffe, dass wir am 20. Juli 2011, dem Jubiläum 50 Jahre nach der Eröffnung des Museums, zumindest im Rohbau ein erstes Bier zapfen können“, hofft Museumsleiter Dr. Josef Mangold.

Jetzt sucht das Museum noch eine Tankstelle der Nachkriegszeit mit dem typischen Pilzdach sowie einen kleinen Kinosaal, der möglichst unverbaut ist.



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