Von Jörg Fleischer, 18.04.10, 21:41h
Die Erkenntnis, dass Hilfsbedürftigkeit unabhängig von der Konfession ist, bewegte die bereits im 19. Jahrhundert gegründeten evangelischen und katholischen Bahnhofsmissionen 1910 zum Zusammenschluss. „Die evangelische Suppe schmeckt genauso gut wie die katholische“, drückte es Kabarettist Jürgen Becker gewohnt bodenständig aus. Becker war zum ersten Mal bei dem Aktionstag dabei und nahm das Motto zum Anlass, sich so seine eigenen Gedanken über Ökumene und Religion im Rheinland zu machen.
„43 000 Anfragen hatten wir im vergangenen Jahr. Tendenz steigend“, berichtete Reinhard Schwarz, seit Oktober 2005 Leiter der Kölner Bahnhofsmission. Von Kindern, die ihre Eltern verloren haben über blinde Menschen, die in Köln umsteigen bis hin zu Obdachlosen, Hartz IV-Empfängern und immer mehr Hilfesuchenden aus Osteuropa reicht das Klientel. „Wir sind ein Seismograph der Gesellschaft“, beschrieb der 57-jährige Sozialpädagoge Schwarz die Themenvielfalt der täglichen Arbeit. Die verrichten vier hauptamtliche Mitarbeiter, vier Zivildienstleistende, zwei Praktikanten und 60 Ehrenamtliche, die rund um die Uhr an sieben Tagen in der Woche in drei Schichten im Einsatz sind. „Es war, als ob ich nach Hause gekommen wäre“, beschrieb Erika Evers ihren Einstieg bei der Bahnhofsmission. Die ehrenamtliche Helferin hat früher bei der Bahn gearbeitet und wollte sich im Ruhestand gemeinnützig engagieren.
Träger der Kölner Bahnhofsmission sind das Diakonische Werk Köln und Region und „In Via“, der Katholische Verband für Mädchen- und Frauensozialarbeit Köln. Zuschüsse gibt es auch von der Stadt Köln, weswegen aufgrund der angekündigten Sparmaßnahmen gleich neben der Bahnhofsmission die Initiative „Vereint gegen Sozialabbau“ einen Stand bezogen hatte. „Sie sind unverzichtbar für Köln“, gab Bürgermeisterin Elfi Scho-Antwerpes zumindest verbale Schützenhilfe für die Bahnhofsmission.
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