Von Mafred Hilgers und Bernd Zimmermann, 21.04.10, 11:24h
Für die Museumsleute des zweitgrößten deutschen Freilichtmuseums stellt die Gaststätte Watteler einen echten Glücksfall dar. Das Haus sollte wegen Bergschäden durch den Braunkohletagebau abgerissen werden. Und das Museum sucht für seine künftige Baugruppe der Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg Häuser für einen kleinstädtischen Marktplatz. Da kam die Gaststätte gerade recht, denn sie ist im Inneren noch so ursprünglich, wie die Kneipenkultur in den Siebziger Jahren im Rheinland war: Braun-orange-grüne Kacheln in den Toiletten, dazu lindgrüne Sanitärobjekte, ein in den Pastellfarben der Mittfünfziger Jahre gekachelter Flur, eine komplette Kneipenausstattung mit Schnapspumpe, den Bildern der Vereine, die Stammgäste der Kneipe waren, sowie einer Musikbox und Geldspielautomaten.
Seit drei Monaten lagerten die beiden Kernstücke an der Abrissstelle, die Fassade und den Dachstuhl hatten die Museumshandwerker schon vorher nach Kommern gebracht. Nachts gegen 22.15 Uhr setzte sich dann der von Medienvertretern, Kamerateams und Polizisten eskortierte Schwertransport in Bewegung und zog durch Lüxheim, Eggersheim, dann an Zülpich vorbei durch Sinzenich hindurch bis zu einem Kommerner Parkplatz. Museumsleiter Dr. Josef Mangold und Gebäude-Historiker Dr. Carsten Vorwig zollten den Fachleuten der Transportunternehmen hohes Lob. Selbst in Engstellen habe es keinerlei Probleme gegeben. An manchen Engpässen hätten die Transporteure einfach nur die Verkehrsschilder um 90 Grad gedreht, so dass der überbreite Transport links und rechts etwas mehr Platz gehabt habe.
Am Mühlenpark setzten die Logistik-Experten den „Braunen Salon“, wie der Toilettentrakt im Volksmund wegen seiner Fliesenfarbe genannt wurde, gestern auf Böcke um, um dann einen beweglicheren Achtachser unterzuschieben. Danach startete Claus Terschlüsen seine auf 27 Tonnen aufgelastete 500 PS starke dreiachsige Allrad-Zugmaschine, während sein Bruder Dirk den Tieflader von hinten mit einem 37 Tonnen schweren 660 PS-Truck und einer Schubstange anschob. Beim Transport zum höher gelegenen Museum machte auch die 20-prozentige Steigung zum Busparkplatz vor der alten Museumskasse dem Gespann keinerlei Schwierigkeiten. Nachdem sie an ihrem endgültigen Platz angekommen waren, wurden die beiden Kneipenteile auf betonierte Betonplatten gehoben.
Im Juli 2011 soll im Dorfgasthaus „Watteler“ das erste Bier gezapft werden. Dann hat das Museum nämlich 50 Jahre geöffnet. „Notfalls wird im Rohbau gefeiert“, kündigte Museumschef Dr. Mangold an.
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