Von Wilfried Goebels, 30.04.10, 12:29h, aktualisiert 30.04.10, 21:38h
Im Gegensatz zu Kraft hatte sich auch SPD-Parteichef Sigmar Gabriel schon früh gegen jede Kooperation mit der Linken ausgesprochen. Auch die Mehrheit der Gewerkschaften unterstützt den Gabriel-Kurs. Vor allem die „Kohle-Beton-Chlor-Fraktion“ - also die IG Bergbau, Chemie, Energie - fürchtet Investitionsblockaden für Industrieprojekte wie neue Kohlekraftwerke und Chemieanlagen, wenn Grüne oder sogar die Linke mitregieren. Rechte „Kanalarbeiter“, „Seeheimer“ und „Netzwerker“ sehen in der Nominierung des linken Kölner Wirtschafts-Dezernenten Norbert Waler-Borjans zum „Wirtschafts-Schattenminister“ ein neues Indiz für einen SPD-Linksruck.
Dass es eine Woche vor der Wahl innerhalb der SPD kräftig brodelt, belegt ein Blog-Beitrag des ehemaligen Rau-Regierungssprechers Wolfgang Lieb (SPD). Der wirft rechten Genossen in Berlin und Düsseldorf unverhohlen vor, eine große Koalition unter Führung von Jürgen Rüttgers anzustreben. Auch SPD-Chef Gabriel bringe Kraft in „arge Argumentationsnöte“, indem er die Kandidatin ganz direkt attackiere und verlange, „der Zusammenarbeit mit der Linken auf offener Bühne abzuschwören“.
Lieb verweist auf den SPD-nahen Blog „Wir-in-nrw-blog.de“, der nach dem ersten TV-Duell Rüttgers überraschend zum klaren Sieger gegen die „politisch völlig unerfahren“ wirkende Herausforderin erklärt hatte. Wörtlich heißt es da: „An der Koalitionsfrage, ob sie mit den Linken Politik machen würde, scheitert die SPD-Spitzenkandidatin in dieser TV-Runde zwei Wochen vor der Wahl im WDR-Fernsehen.“
Im rechten SPD-Flügel gilt Krafts Offenhalten der Koalitionsfrage längst als taktischer Fehler. Eine klare Abgrenzung von der Linkspartei hätte bei Industriearbeitern und Gewerkschaftern entscheidende Prozente in NRW bringen können, heißt es. Gabriel hatte deshalb im Gegensatz zu Kraft versichert, dass es Rot-Rot-Grün in NRW nicht geben wird.
Kraft befindet sich in einer Zwangslage. Die Mehrheit der NRW-SPD lehnt eine große Koalition entschieden ab. Rund 30 Prozent der Partei setzen auf Rot-Rot-Grün. Mit ihrem Offenhalten der Links-Option hat Kraft aber aus Sicht der SPD-Rechten Rüttgers Munition geliefert, in der Mitte zu punkten.
Für den Altgenossen Farthmann ist die große Koalition deshalb die beste Option: „Mit dem Desaster der schwarz-gelben Koalition in Berlin sehnen sich die Bürger geradezu nach der großen Koalition zurück." Dann müsste sich Kraft aber mit einem Ministeramt im Kabinett Rüttgers zufrieden geben.
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