Von Dieter Brockschnieder, 05.05.10, 07:03h
Das Thema Festspielhaus ist demnach „längst nicht vom Tisch, die angestimmten Grabgesänge“ seien voreilig. Es solle als Jahrhundertprojekt angesehen werden, sagte Nimptsch im Gespräch mit Moderator Wolfgang Zimmer in der Traditionsgaststätte unweit von Beethovens Geburtshaus. Dass er dennoch die „Reißleine gezogen“ hatte, schob er auf die Erfahrungen mit dem Skandalbau WCCB.
Die Dramatik um das Kongresszentrum und die Folgen der offensichtlichen Betrügereien hätten ihn in ihrer Breite überrascht und beschäftigten ihn jeden Tag ein paar Stunden, „das belastet einen, ist aber normal in diesem Job“. Hätte das Desaster verhindert werden können?, fragte der Moderator. Die Antwort wirft ein Licht auf die damalige Verfassung in der Stadtverwaltung. Alle Beteiligten hätten gesagt: Das muss klappen. Dabei, so mutmaßte der OB, hätten sie wohl zu lange das Ziel betont und den Weg aus den Augen verloren.
Es war insgesamt ein freundliches Gespräch mit dem ersten Mann der Stadt, obwohl Wolfgang Zimmer nach eigenen Worten vorher von Bekannten aufgefordert worden sei, den solle er mal kritisch rannehmen. Aber, so gab er als Motto der Talkshow aus, hier werde niemand „gevierteilt, geteert oder gefedert“.
So hatte denn auch der OB, den Zimmer mit den Worten „das ist der Mann, dem es mal richtig gut ging“ begrüßte, teil am Schmusekurs. Nimptsch, dessen Frau Hanne Hufschmidt unter den Zuhörern saß, betonte nachdrücklich, ihm gehe es auch jetzt noch gut, denn „ich saufe das Glück aus Eimern, und das ist immer noch so“.
Mehr im Verborgenen arbeitet Norbert Volpert, der Geschäftsführer von Stattreisen Bonn. Zu seinen Führungen gehört auch eine zum Thema „Spione in Bonn“, doch deshalb ist er noch lange kein Spionageexperte. Dass Geheimdienste hier ihrem düsteren Handwerk nachgegangen seien, weil Bonn Hauptstadt und damit Sitz des Verteidigungsministeriums war, und dass die Schlapphüte „biedere Techniken“ angewendet hätten (Funkgeräte, „tote Briefkästen“) - na ja, das hätte man sich denken können. Viel spannender wäre es gewesen, hätte das Publikum erfahren, warum gerade in Bonn die „Stasi-Romeos“ Glück bei manchen einsamen Vorzimmerdamen gehabt haben.
Nach so viel trockener Materie ließ Wolfgang Zimmer die Kneipe singen. Der Moderator, gelegentlich als „Alt-Rocker“ mit Band unterwegs, intonierte ein Lied, in das der Saal mehrstimmig einfiel. Das war der Einstieg in das Gespräch mit den „Klangküssen“, einem Quartett, das sich dem Barbershop-Gesang verschrieben und gerade die Deutsche Meisterschaft in dieser vierstimmigen Gesangart gewonnen hat. Rabea Steffen, Dagmar Giersberg und Roger Hare bewiesen, warum sie Meister geworden sind, ihre Kollegin Viola Neuwald-Fernàndez saß erkältet im Publikum und konnte nicht mitsingen. Beim „Klangküsse“-Konzert am 16. Mai im Augustinum will sie aber wieder dabei sein.
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