Von Dientmar Fratz, 07.05.10, 07:00h
Was die Archäologen dicht unter der Oberfläche des jahrhundertelang als Acker genutzten Geländes fanden, gab der Vermutung mehr als Recht. Auf einer Fläche von über sieben Hektar (70 000 Quadratmetern) förderten die Grabungen von bis zu sechs Mitarbeitern, die sich seit Oktober 2008 über eineinhalb Jahre hinzogen, 300 Urnengräber zutage. Neben Bruchkeramik und Fragmenten von Fibeln (Gewandnadeln) fanden sie 20 komplett erhaltene Urnen. „Es hat auf dem Feld wohl weit über 600 Bestattungen gegeben. Die landwirtschaftliche Nutzung hat jedoch schon vieles zerstört“, berichtet Archäologe Stephan Kaltwasser. 40 Zentimeter unter der heutigen Krume beginnend, reichten die Funde bis in eineinhalb Meter Tiefe. Und auch zwei Schützengräben aus dem Zweiten Weltkrieg, die die Bodenforscher nachweisen konnten, haben wohl zahlreiche Gräber zerstört. Neben den keramischen Urnengefäßen und Scherben, die eine relativ genaue Datierung ermöglichen, lassen Knochen- und Aschereste in gut handtellergroßen Ansammlungen Rückschlüsse auf die antike Nutzung zu. Fast 1000 Jahre lang lebten die Eburonen offenbar dort, und damit länger als bislang angenommen. Die ältesten Funde sind im achten vorchristlichen Jahrhundert einzuordnen. Die jüngsten Zeitzeugen stammen aus dem ersten Jahrhundert nach Christi Geburt.
Bekannt sei, dass vor der Zeitenwende die keltischen Eburonen im Rheinland siedelten, erläutert Andermahr. Als Cäsar im Jahr 57 vor Christus mit seinen römischen Truppen in den gallischen Krieg zog, wurde eines seiner Lager von eben diesen Eburonen überfallen. Daraufhin haben die Römer die Eburonen wütend bekämpft und die Überlebenden vertrieben.
„Bergheimer“
Eburonen
überlebten länger
Mit den „Bergheimer“ Eburonen muss es jedoch einen besonderen Handel, eventuell typisch rheinischer Natur, gegeben haben, denn sie haben die unfreundliche Begegnung der Völker noch um rund 100 Jahre oder mehr überlebt. „Das ist eine neue Erkenntnis, die die Funde bedeutsam erscheinen lässt“, sieht Andermahr Anlass, die Geschichtsschreibung diesbezüglich um ein spannendes Detail, das es freilich noch genauer zu erforschen gilt, zu ergänzen.
Ein ebenfalls am Rande des Feldes gefundener römischer Töpferofen lässt zudem den Schluss zu, dass das offenbar von den Eburonen aufgegebene Dorf anschließend von den Römern genutzt worden sein könnte.
Was mit den Fundstücken geschieht, ist noch ungewiss. Christian Brink Wirtschaftsförderer der Stadt Bergheim, der die Prospektion in Auftrag gegeben hatte, nennt als allgemein gültige Regel: „Man muss alle geborgenen Gegenstände nehmen oder nichts, damit die Fundstücke zusammen bleiben.“
Zuzeit werden die Fundstücke bei der Grabungsfirma gereinigt und katalogisiert und danach, wenn Bergheim sie nicht haben will, ins Landesmuseum nach Bonn verbracht, wo die kompletten Urnen bereits eingetroffen sind.
Eine Mitarbeiterin im Landschaftsverband hat Interesse bekundet, über den Fund ihre Doktorarbeit zu schreiben.
Vielleicht kann sie auf weitere Funde hoffen: Das Gräberfeld war wohl noch größer als die jetzt untersuchte Fläche, könnte sich nach Westen und Süden weiter erstreckt haben, wie Kaltwasser vermutet. Da dort aber zurzeit keine Bautätigkeit geplant ist, sind dort keine weiteren Bodenuntersuchungen vorgesehen.
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