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Senioren bestohlen

„Lassen Sie mal die Wanne volllaufen“

Von Daniel Taab, 12.05.10, 22:36h, aktualisiert 12.05.10, 22:48h

Mit dem "Dachdecker-Trick" und dem Trick mit der defekten Wasserleitung haben Betrüger über Jahre Kölner Senioren bestohlen. Die Kölner Staatsanwaltschaft hat nun Anklage gegen vier falsche Wasserwerker erhoben.

Köln - Die Kölner Staatsanwaltschaft hat Anklage gegen vier falsche Wasserwerker erhoben, die über zwei Jahre Senioren im Raum Köln ausgeraubt oder bestohlen haben sollen. „Die Trickdiebe haben sich gezielt ältere und kranke Personen ausgesucht. Oft waren die betagten Bürger überfordert mit dem plötzlichen Besuch an der Haustür und waren ein leichtes Opfer für die Täter“, sagte ein leitender Ermittler, der mit den Fällen betraut ist. Die Schadenssumme wird auf mehrere zehntausend Euro beziffert.

Die Angeklagten hatten sich auf zwei kriminelle Maschen spezialisiert. Zum einen den so genannten „Dachdecker-Trick“ und den Trick mit der defekten Wasserleitung. Mehrmals klingelten die Tatverdächtigen an der Tür von Senioren und tischten ihnen die Lügengeschichte auf, dass das Dach des Hauses defekt sei und sie sich den Schaden sofort genau ansehen müssten. In der Wohnung lenkte dann ein Täter die Mieterin ab, der Komplize schaute sich derweil um und steckte sich Geld, Schmuck oder andere Wertgegenstände ein.

Beliebt bei den Diebestouren war auch die Masche mit der Wasserleitung. Weil diese defekt sei und ein Rohrbruch drohe, solle die Seniorin die Badewanne mit Wasser füllen. „Gemeinsam mit dem Mieter schaut sich der falsche Handwerker dann im Badezimmer um und gaukelt Fachwissen vor“, erläutert der Beamte. Derweil räumt der Komplize die Schubladen und Geldbörsen leer.

Brutal sollen die Beschuldigten bei einer 100-Jährigen vorgegangen sein, die taub und fast blind ist. In der Wohnung stülpten zwei Räuber der Kölnerin einen Sack über den Kopf und rissen ihr zwei Ringe von den Fingern. Diese Tat konnten die Ermittler den Angeklagten allerdings nicht nachweisen. „Wir gehen aber davon aus, dass dieser Überfall auch den jetzt angeklagten Trickdieben zuzurechnen ist“, hieß es aus Justizkreisen.

Insgesamt sind 15 Fälle in Köln, Bonn, Ludwigshafen und Wiesbaden angeklagt. Die Staatsanwaltschaft geht allerdings von einer hohen Dunkelziffer aus. „Viele Opfer haben wegen des hohen Alters einfach nicht richtig gemerkt, was passiert ist“, betonte der zuständige Ermittler. Laut Anklage gingen die drei Männer und ein Heranwachsender von Ende 2008 bis Februar 2010 auf Beutezug.

Um Senioren über die Machenschaften solcher Trickbetrüger zu informieren, ist im Internet in Zusammenarbeit mit der Polizei die Seite „Pfiffige Senioren“ entstanden. Auf mehreren Seiten werden älteren Mitbürgern wertvolle Tipps gegeben, wie sie sich vor ungebeteten Gästen an der Haustür zur Wehr setzen können.



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