Von Manfred Reinnarth, 15.05.10, 07:01h
Sie bleiben regelmäßig mittwochs mit Lehrer Wilfried Vey nach dem letzten Gong in der Schule und verbessern ihre Konstruktionen. Den Regionalentscheid im Roboterwettbewerb der Gemeinschaftsinitiative „Zukunft durch Innovation“ in Aachen haben sie bereits gewonnen. Nun wollen sie auch beim NRW-Finale in Wuppertal punkten.
Ihr Rezept ist die einfache, zuverlässige Bauweise. Die Zutaten sind vorgegeben: Ein Lego-Mindstorms-Set. Nur einer aus der Gruppe hat ein derart teures Spielzeug zuhause, aber das ist von seinem Besitzer bislang „nur“ zum Abschleppen von Getränkedosen programmiert worden. „Rund 300 Euro kostet ein Baukasten. Zwei konnten wir uns leisten, drei hat die Kreissparkasse spendiert, fünf stammen aus der Bildungsoffensive des Landes“, berichtet Vey.
Bei der Grundkonstruktion hatten die Schüler aber freie Hand. Sie haben sich für zwei starre Fronträder und ein lenkbares Hinterrad entschieden. Weil nur drei Servo-Motoren verbaut werden durften, suchten die Jungs mechanische Lösungen. So entstand die Idee, die Aufgabe mit dem roten Ball, die nur eine von vielen ist, mit einem Kipper zu lösen, der sich neigt, sobald ein Dorn gegen das Ziel stößt. Die Motoren hoben sich die Schüler für spezielle Greifarme auf und erledigten das Einsammeln von Objekten an bestimmten Stellen mit einer starren Gabel.
Die Schwierigkeit dabei ist der Parcours. Der ist vorgegeben. Die Schüler haben ihn genau nach Anleitung gebaut und von einem Schreiner Tischgestelle anfertigen lassen. Wege und Aufstellmarkierungen sind also identisch mit der Umgebung im Wettbewerb. Schwarze Linien und farbige Flächen ermöglichen sogar eine Steuerung mit Fotosensoren. „Aber das würde uns zu viel Zeit kosten. Denn wenn der Roboter zu oft gegenlenken muss, dann verliert er Zeit“, erklärt der Pädagoge aus Iversheim.
Komplizierten Modellen der Konkurrenz ist der Roboter aus Euskirchen durch seine geringere Fehlerquote überlegen. Die Schüler haben die Software am Computer so programmiert, dass ihr Gerät streng Bewegungsabläufe aneinanderreiht, deren Zeitablauf festgelegt ist.
Dazu muss der Roboter aber exakt gerade an den Start gestellt werden. „Da haben aber meine Nerven beim Regionalentscheid im zweiten Durchgang versagt“, räumt Viktor Spenst (16) ein. „Nach 20 Zentimetern sieht man, ob alles gut geht. Ändern kann man nichts mehr, wenn man auf den Startknopf gedrückt hat.“ Für Viktor geht es auch um ein Familienduell: Sein Bruder Jakob war am Erfolg der Schule vor zwei Jahren beteiligt.
Beinahe hätte es in Aachen nicht geklappt. Denn auf der Teststrecke bewegte sich der Euskirchener Roboter anders. „Die Räder haben durchgedreht, weil der Untergrund glatter war und das Profil etwas abgenutzt war. Da mussten wir neue Reifen aufziehen“, berichtet Marc Röder (14). Er ist Feuer und Flamme für die neue Technik.
Keine komplizierten
Winkel-Berechnungen
Lehrer Vey nimmt ihnen nicht die Lust mit komplizierten Berechnungen von Entfernungen und Winkeln. „Der Programmspeicher fasst auch nicht zu viele Informationen.“ Er lässt die Jungs probieren und Erfahrung sammeln. Ganz ohne Technik geht es aber nicht.
„Hier stelle ich ein, wie viele Umdrehungen der Motor machen soll“, sagt Marc Röder und zeigt aufs Laptop. Legosteine von gestern, die man einfach nur zusammengesteckt hat, sind für die Roboter-Konstrukteure der Kaplan-Kellermann-Realschule längst uninteressant.
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