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Kerpener Kantor

Uraufführung in Cambridge

Von Gregor Ritter, 27.05.10, 07:03h

Der Kerpener Kantor Stephen Harrap kommt derzeit nur kurz in den eigenen vier Wänden in Kerpen zur Ruhe. Um 4 Uhr sind er und seine Familie aufgestanden, um den Flieger von England nach Köln zu bekommen.

Kantor Stephen Harrap
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Nur einen Zwischenstopp legt Kantor Stephen Harrap im heimischen Garten ein. (Foto: Ritter)
Kantor Stephen Harrap
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Nur einen Zwischenstopp legt Kantor Stephen Harrap im heimischen Garten ein. (Foto: Ritter)
Gestern Cambridge, übermorgen Duisburg, danach Mainz. Stephen Harrap kommt derzeit nur kurz in den eigenen vier Wänden in Kerpen zur Ruhe. Um 4 Uhr sind er und seine Familie aufgestanden, um den Flieger von England nach Köln zu bekommen. Nun ist später Vormittag und Harrap hat noch viel vor. Sein Repertoire für das Konzert in Duisburg muss er üben - drei von ihm komponierte Lieder sowie Variationen über Barbara- und Matrosenlieder wird er im Rahmen der Ruhr 2010 in einem Restaurant darbieten -, und unbedingt möchte er sich die Aufzeichnung des Konzerts vom Pfingstsonntag anhören.

Denn da erklangen im ehrwürdigen Clare College in Cambridge zwei Motetten von ihm zum ersten Mal. Eigens für den Gottesdienst hatte Harrap die beiden liturgischen Texte „Ave verum Corpus“ und „Veni Creator Spiritus“ vertont - und ist von dem klingenden Ergebnis unter der Stabführung des renommierten musikalischen Leiters des Clare-College-Chors, Tim Brown, äußerst angetan. „Es ist sehr gut gelaufen und angekommen“, freut sich der Kerpener Kantor, der in der Martinuskirche wirkt. Dabei hatten Brown und sein Ensemble zum Einstudieren nur äußerst wenig Zeit gehabt. Der vielbeschäftigte Chorleiter, der auch beim Freiluftfestival Aix en Provence dirigiert, musste in rund drei Stunden 14 weitere Motetten proben. Da blieben für Harraps Werke gerade einmal 40 Minuten übrig. Genug für die Profis. Und Harrap zählt sich ausdrücklich nicht zu den Tonsetzern, die bei einer Aufführung den Beteiligten dauernd hereinreden und „rumfummeln“. „Ich finde es schrecklich, wenn einer das macht.“ Stattdessen bot er dem von Zeitnot gebeutelten Brown spontan seine Hilfe an und schrieb am Samstag flugs die Oberstimme für ein anderes Werk - die schöpferische Atmosphäre am College machte es möglich.

Für die Motette „Veni Creator Spiritus“ hat sich Harrap einen besonderen Kunstgriff einfallen lassen: Parallel zu dem tradierten lateinischen Text, von Harrap als gregorianischer Choral gestaltet, erklingt in vierstimmigem Vokalsatz ein Gedicht des englischen Barockdichters John Donne, „The holy Ghost“ betitelt. „Wüst und witzig“ sei dieser Text, schmunzelt Harrap, denn innerhalb des sakralen Poems setzt Donne auch die früheren „jugendlichen Feuer des Stolzes und der Lust“ in Worte, an die er sich halb verschwendet habe. Warum gerade dieser Epochenmix der Pfingstsequenz „Veni Creator Spritus“ aus dem neunten Jahrhundert mit dem Werk Donnes, der rund 600 Jahre später wirkte? Donne ist der Lieblingsdichter von Chorleiter Tim Brown. Dessen Tage am College gehen nach 31 Jahre dem Ende zu, und so hatte Harrap bei einer früheren Einladung bei dem College-Professor angeregt, den Abschied musikalisch zu gestalten. Dass dies nun bei der Pfingstmesse geschah, habe lediglich den Grund gehabt, dass am Semesterende eine solche Würdigung verpufft wäre, erzählt der Wahl-Kerpener.

Während er in seinem Garten am Stiftsplatz sitzt, hat Harrap noch die ausgedehnten Parkanlagen der britischen Universität vor dem geistigen Auge, in denen sich seine Frau Susann und die Söhne Gaston und Laurence als College-Gäste ergehen konnten. Als eine Inspiration zu seinen Kompositionen empfindet Harrap die Natur allerdings nicht. Ganz in Gegenteil, sie lenke ihn von dieser schöpferischen Arbeit ab. Daher ist für ihn die zweite Sakristei in der Kirche St. Martinus immer noch der liebste Platz, um zu komponieren: kein Telefon, kein Computer, nichts was stören könnte.<



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