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Kölner Philharmonie

Nur ein Rätsel bleibt

Von Johannes Zink, 08.06.10, 21:21h

Beim Konzert von Donizettis „Lucrezia Borgia“ in der Kölner Philharmonie blieben rätselhafterweise einige Plätze frei. Den Zauderern ist ein außergewöhnlicher Opernabend durch die Lappen gegangen.

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„Lucrezia Borgia“. (Bild: Kölner Philharmonie)
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„Lucrezia Borgia“. (Bild: Kölner Philharmonie)
KÖLN. Warum sich die Kölner Philharmonie am Montagabend nicht restlos füllte, wird wohl ein Rätsel bleiben. Immerhin sang in der konzertanten Aufführung von Donizettis „Lucrezia Borgia“ niemand geringeres als die slowakisch-ungarische Sopranlegende Edita Gruberova die Titelpartie. Das alleine hätte bei halbwegs vertretbaren Kartenpreisen schon als Attraktion ausreichen müssen. Und dennoch blieben letztlich einige Plätze leer.

Und so müssen die Zauderer hin-nehmen, dass ihnen ein außergewöhnlicher Opernabend durch die Lappen gegangen ist. Die Gruberova machte uns staunen darüber, wie exzellent bei Stimme sie auch jenseits der 60 ist. Die hohen Pianissimi, die Donizetti seiner Protagonistin öfters abverlangt, ohne dass er dabei den Schild des Orchesters vor sie hält, sind Momente, in denen sich zeigt, wie eine Stimme sitzt. Bei ihr ist nicht der Hauch eines Makels feststellbar, selbst in solch kitzligen Situationen gestaltet sie die Dynamik mit schönen Crescendobögen. Sie spielt genauso virtuos auch auf der Klaviatur des Akrobatischen, trifft Spitzentöne mitten ins Schwarze und geht durch die Koloraturgirlanden der Schluss-Cabaletta mühelos hindurch. Aus der Opern-Südkurve röhrte es verständliche Begeisterung.

Vortrefflicher Bass, strahlender Pathos

Dabei war der Star des Abends nur eine unter vielen Guten Akteuren. Überzeugt haben uns vor allem auch Franco Vassallos gestalterisch vortrefflicher Bass (Alfonso), das strahlende Pathos in José Bros' Tenor (Gennaro) und der warme Mezzo von Silvia Tro Santafé (Orsini). Sowohl einzeln, als auch als ausgesprochen homogenes Ensemble ein Genuss. Was auch für die Nebenpartien gilt, die mit Bernardo Kim (Liverotto), Thomas Laske (Gazella), Il Hong (Petrucci) Tansel Akzeybek (Vitelozzo), Sebastian Geyer (Gubetta) Thomas Blondelle (Rustighel-lo) und Shadi Torbey (Astolfo) ebenfalls stark besetzt waren.

Abgerundet wurde das Ganze durch eine bemerkenswerte Vorstellung des bestens aufgelegten WDR Rundfunkorchesters, das von ein paar rustikalen Stellen abgesehen mit Donizettis Partitur ausgesprochen gute Figur machte. Der Ukrainer Andriy Yurkevych, vielleicht keiner der großen Stars am Dirigentenpult, ver-dient großes Lob für seine unaufdringliche und effiziente Regie des musikalischen Geschehens. Die finalen Ovatio-nen für dieses Opernereignis wollten kaum ein Ende nehmen.



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