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Handbike

Im Renntempo auf Tour

Von Renate Hotse, 10.06.10, 07:00h

Wenn der Weilerswister Gerd Probson am kommenden Sonntag zum vierten Mal bei der von der Rundschau präsentierten Tour de Ahrtal mitfährt, dann ist ihm klar, dass er wieder ein „echter Hingucker“ sein wird.

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Wenn Gerd Probson – hier mit Ehefrau Magdalena – auf seinem Renn-Handbike unterwegs ist, erregt er nicht selten Aufsehen. (Bild: Hotse)
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Wenn Gerd Probson – hier mit Ehefrau Magdalena – auf seinem Renn-Handbike unterwegs ist, erregt er nicht selten Aufsehen. (Bild: Hotse)
EIFELLAND - Denn der 61-jährige, der bei einem Autounfall 1973 den Unterschenkel des einen sowie die Beweglichkeit des anderen Beines verlor, fährt seit sieben Jahren Handbike.

In dieser Zeit hat er sich daran gewöhnt, dass er mit seinem ungewöhnlichen Gefährt Aufsehen erregt. Zumal er alles andere als gemütlich durch die Landschaft gondelt. „Mein Mann ist ein Powerfahrer“, sagt Magdalena Probson. Und als solcher wird er auch die Tour de Ahrtal absolvieren. „Ich hänge mich an die Rennräder“, beschreibt er sein bevorzugtes Tempo und freut sich schon jetzt auf die erstaunten Mienen derer, die ihm eine solche Geschwindigkeit nicht zugetraut hätten. Mit Kommentaren wie: „Und jetzt noch ein Kissen und ne Tasse Kaffee“, wie er sie sich schon anhören musste, treten unsensible Zeitgenossen da tief ins Fettnäpfchen.

Bei der Tour de Ahrtal fordert ihn selbst die 40-Kilometer-Variante für ambitionierte Radfahrer nicht heraus. „Die fahre ich dann auch wieder zurück“, erklärt er. Mit dem Handbike, versteht sich - nicht mit dem Zug. Für die 80 Kilometer benötigt er keine vier Stunden. Zeit genug also, um auch noch das Rahmenprogramm genießen zu können. Nun ist Gerd Probson - wenn auch durch den langen Winter etwas verspätet - gut im Training.

Im April etwa nahm er an der zehnten Handbike-Woche im italienischen Bibione teil und absolvierte dabei Tagesstrecken von 50 bis 115 Kilometern. Insgesamt fünf Wochen verbrachte er in Italien und legte dabei rund 2000 Kilometer im Sitz seines Handbikes zurück.

Der „Köln-Marathon“ ist eines seiner bevorzugten Rennen. Für die 42 Kilometer benötigte er im vergangenen Jahr - bei Sturm und Regen - eine Stunde und 33 Minuten und wurde damit Fünfter in seiner „Schadengruppe“. So nennt sich die Einteilung je nach Behinderung. Probson: „Ich habe ja nur ein Bein ab, es starten aber auch Querschnittgelähmte, da wird dann wieder anders gewertet.“

Um seinen sportlichen Ambitionen Rechnung zu tragen, fährt er den „Rennschlitten“ unter den Handbikes. Nur zehn Kilogramm wiegt dieses Rad, dass er sich für 7000 Euro von einer Dortmunder Spezialfirma hat anfertigen lassen und das nicht nur mit den Armen, sondern mit dem gesamten Oberkörper angetrieben wird. „Ein teures Hobby“, weiß er. Doch für das Ehepaar Probson ist es viel mehr als nur das. „Das war ein unbeschreibliches Gefühl, als wir nach so vielen Jahren wieder zusammen sportlich aktiv sein konnten“, sagt Ehefrau Magdalena. Sehr lange gibt es Handbikes noch nicht. 1983 wurde das erste moderne Exemplar in den USA hergestellt, 1990 gelangte die Erfindung nach Europa.

Meistens ist Magdalena Probson mit dabei, obgleich sie heute kaum noch mithalten kann und ihr Mann bereits überlegt, ihr Fahrrad technisch aufzurüsten. Von Weilerswist aus fahren die beiden oft durch die Felder Richtung Zülpich oder Düren. Gemeinsame Urlaubsziele werden ebenfalls nach ihrer Tauglichkeit fürs gemeinsame Hobby ausgewählt. „Es ist schon toll, welche Möglichkeiten einem das Handbike trotz Behinderungen ermöglicht“, sagen beide.

Möglichkeiten, die Gerd Probson fehlten, als seine beiden heute erwachsenen Kinder noch klein waren. „Wenn ich da solch ein Rad gehabt hätte...“

Doch seitens der Krankenkassen ist in dieser Hinsicht mit keiner Unterstützung zu rechnen. Die würden zwar einen Elektrorollstuhl finanzieren, nicht aber ein Handbike. In Weilerswist ist er dank des auffallenden Gefährts mittlerweile bekannt wie ein bunter Hund. Gegen dumme Sprüche haben sich seine Frau und er ein dickes Fell zugelegt. Nur ein einziges Mal sei sie umgedreht und einer jungen Frau in die Parade gegangen. Diese habe laut vernehmlich gelästert: „Wie kann man nur so ein verrücktes Rad fahren?“



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