Von Peter W. Schmitz, 17.06.10, 07:00h
Für Bürgermeister Alexander Büttner steht das fest: „Wir bekommen hier eine Technologie, die zum entscheidenden Sprung ansetzt und Arbeitsplätze in der Eifel schafft. Viele werden auf Bad Münstereifel schauen, und das Image der Kurstadt wird sich nachhaltig verändern.“
Große Worte, aber wie soll das realisiert werden? Bad Münstereifel hat den Zuschlag für ein Modellprojekt bekommen. Das Eifelbad soll noch in diesem Jahr von einem innovativen Kleinkraftwerk mit Energie versorgt werden. Gleichzeitig geht das Netzwerk „HolzStrom“ mit Sitz in der Kurstadt an den Start. Der Zusammenschluss von renommierten deutschen Universitäten - etwa den Unis Dresden und Bonn, der TH Zittau, des Fraunhofer Instituts Oberhausen und der RWTH Aachen - sowie Firmen aus der Region wird im Rahmen des Zentralen Innovationsprogramms Mittelstand vom Bundeswirtschaftsministerium in einem ersten Schritt mit 150 000 Euro gefördert. Ziel ist die Weiterentwicklung klimaschonender Energien - in diesem Fall die Holzverstromung.
Doch der Reihe nach: In Bad Münstereifel und Schmidtheim sollen Kleinkraftwerke ans Netz gehen. Dabei handelt es sich laut des leitenden Netzwerkmanagers Julien Uhlig von der AGIT um die „ersten großen Projekte dieser Art in NRW“.
Neben dem Eifelbad soll ein 80 Quadratmeter großes Minikraftwerk entstehen. Uhlig spricht von einem „Dauertest unter realen Bedingungen“. In der Anlage werden bald Holzhackschnitzel in einem thermisch / chemischen Prozess verschwelt. Das dabei entstehende Gasgemisch wird gereinigt und treibt das kleine Blockheizkraftwerk an. Laut Uhlig und dem städtischen Wirtschaftsförderer Josef A. Laqua entstehen dabei zwei Arten von Energie: Strom, der ins öffentliche Netz eingespeist, und Abwärme, mit der das Eifelbad-Wasser temperiert wird. Der Wirkungsgrad dieser Anlage soll bei 85 Prozent liegen. Bürgermeister Büttner rechnet durch diese Wärmerückgewinnung mit einer jährlichen Einsparung von 75 000 Euro für das Eifelbad. Dadurch könne man künftig die Eintrittspreise auf einem familienfreundlichen Niveau halten.
Doch was kostet das Hightech-Werk den Bad Münstereifeler Steuerzahler? „Keinen Cent“, freut sich Büttner. Die Kosten würden durch die Zuschüsse aus Berlin gedeckt. An den beiden Standorten in Bad Münstereifel und Schmidtheim soll eine Leistung von 450 Kilowatt Elektrizität erzeugt werden, also 3, 36 Millionen Kilowatt-Stunden pro Jahr. Damit könnten laut Uhlig rund 700 Einfamilienhäuser mit Strom versorgt werden.
Stromerzeugung aus Biomasse ist bereits heute ein Exportschlager „made in Germany“. Die effektive Nutzung von Holzgas ist bislang allerdings noch nicht ausgereift. Obwohl bereits vor über 100 Jahren Motoren mit Holzvergaser betrieben wurden, hat die Technik laut Stiftung für Erneuerbare Energien „die Marktreife bislang noch nicht erlangt“. Wissenschaftler der Uni Dresden und der FH Zittau sind zu dem Ergebnis gekommen, dass die Holzvergaser-Anlage der Firma Spanner RE² „in absehbarer Zeit industrielle Serienreife erlangen kann“.
Eine internationale Marktreife sei in zwei Jahren zu erwarten. Daher ist jetzt in Schmidtheim und Bad Münstereifel der langfristige Feldversuch angesagt. Ein geschultes Wartungsteam sowie Wissenschaftler stehen Gewehr bei Fuß. Das kurstädtische Minikraftwerk soll freilich auch für (Wissenschafts-) Touristen attraktiv sein und Besucher aus aller Welt anlocken. Daher soll beim Bau jede Menge Glas zum Einsatz kommen, um den Besuchern einen Blick ins Innere der einmaligen Anlage zu ermöglichen.
Doch warum fiel die Wahl auf Münstereifel? Uhlig: „Wegen der reichen Holzvorkommen bietet sich die Kurstadt an. Zudem ergeben Hightech und Fachwerk eine interessante Mischung, die auch Wissenschaftlern aus China durchaus Freude bereiten wird.“
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