Erstellt 17.05.10, 10:35h
Ich hatte mal einen Gürtel in der Hand - mit einer Musikkassette als Schnalle. Das Motiv fand ich cool. Bis ich sieben, acht Jahre alt war, habe ich nur Kassetten gehört. Das Albumcover erinnert daran.
13 Songs mussten in kürzester Zeit aufgenommen werden. Ein Problem?
Nein. Ich habe von allen Seiten so viel Unterstützung bekommen, dass ich nichts falsch machen konnte. Schon während der Abi-Klausuren fing ich an, mir mit Stefan Raab Gedanken über die Lieder zu machen. Ich wollte eine gute Mischung - etwas Funk, eine Ballade. Es soll die Leute nicht langweilen.
Wirkte Stefan Raabs Studioband Heavytones mit?
Ja. Für die Konzerte, die ich irgendwann spielen werde, muss ich mir aber eine eigene Band suchen.
Woher nimmst du deine Energie?
Keine Ahnung. Ich bin die ganze Zeit gefordert, stehe ständig unter Strom. Und wenn Fans vor dem Hotel meinen Namen rufen, habe ich das Gefühl, das Ganze ist nicht real.
Kannst du es nachvollziehen, Fan zu sein?
Ich gehe gerne auf Konzerte, weil mir die Musik gefällt. Ich habe aber noch nie nach einem Autogramm gefragt, weil das einfach nicht mein Ding ist.
Wird dir Stefan Raab, der schon dreifache Grand-Prix-Erfahrung gesammelt hat, auf dem Weg nach Oslo weiter zur Seite stehen?
Ja, er wird auch in Oslo dabei sein. Er ist mein Mentor. Aber ich darf Stefan zu ihm sagen.
Was schätzt du an ihm?
Er ist ein ehrlicher und kein hinterlistiger Mensch. Er hat die Fähigkeit, aus einem etwas rauszukitzeln, von dem man gar nicht weiß, dass es im Inneren schlummert. Ich bin nicht unter der Prämisse zu ihm gegangen, ein Star werden zu wollen.
Wie hat alles angefangen?
Ich habe zu meinem 18. Geburtstag von meiner besten Freundin eine Karte für "TV total" geschenkt bekommen. Als wir uns im Internet schlaumachen wollten, wann welche Gäste in der Sendung sind, habe ich den Link zu "Unser Star für Oslo" gesehen und mich einfach angemeldet. Eine Woche später habe ich in Köln vorgesungen.
Dein quirliger Sprechgesang besitzt einen hohen Wiedererkennungswert. Wie ist es zu diesem Stil gekommen?
Ich habe einfach gesungen, was ich empfunden habe. Bevor ich Stefan begegnet bin, war mir gar nicht klar, dass ich anders klinge.
Eine Zeitung schrieb, dein Akzent klinge nicht nach Integrierter Gesamtschule Roderbruch in Hannover, sondern nach Londoner Bauarbeiter.
Ich sage immer: Das ist mein Pseudo- Akzent. In Wirklichkeit habe ich gar keinen. Mein Englischlehrer hat so gesprochen, das habe ich einfach übernommen. Ich dachte, es wird schon richtig sein, was er da macht.
Gibt es für Oslo einen Gesangscoach?
Nee, das stand nie zur Debatte. Ich singe auch nicht jeden Tag acht Stunden. Ich rede nur viel. Das hält die Stimme warm.
Schärfste Konkurrentin ist den Buchmachern zufolge Safura aus Aserbaidschan. Ist das so?
Das Wort Konkurrenz kommt in meinem Denken nicht vor. Ich gehe spielerisch an die Sache, nicht kämpferisch. Kampf ist mir zu anstrengend.
Welche Show erwartet uns in Oslo auf der Bühne?
Ich fahre nicht zum Song Contest, um mich zu inszenieren, sondern um das zu zeigen, was ich bin. Ich bin kein tolles Kleid, keine Robe mit Rüschen und langer Schleppe.
Was wirst du anziehen?
Ich werde auf jeden Fall ein Kleid tragen. Dem Anlass entsprechend. Aber ich werde keine große Show machen.
Beim Casting wurde Lena von der Promi-Jury über den grünen Klee gelobt. Ist es verdächtig, wenn alle Lena loben?
Nee. Ich packe mir das Lob ein - und hole es wieder raus, wenn ich es in schlechten Zeiten brauche.
Experten behaupten, es sei ein Vorteil, dass Lena gar nicht weiß, was sie tut. Haben sie recht?
Ich weiß schon, was ich tue, aber ich gehe nicht mit einer bestimmten Strategie an die Dinge. Das muss ich auch nicht, solange ich weiß, wer ich bin.
Du hattest Tanzunterricht - Ballett, Jazz und Show-Dance. Wie hast du diesen ungewöhnlichen Tanzstil entwickelt?
Viele Leute sagen: "Die tanzt doch gar nicht!" Tatsächlich tanze ich seit meinem fünften Lebensjahr. Auf der Bühne tanze ich aber nach keiner Norm oder einstudierten Choreografie, sondern wie es mir in den Sinn kommt. In meinem Lieblingsclub in Hannover tanze ich zu Electro-Indie-Musik. Dazu kann ich gar nicht anders tanzen als bekloppt.
Kannst du dich noch in deinen Lieblingsclub wagen?
Doch. Da ist es total entspannt.
Ist Lena eine Indie-Künstlerin, abseits des Mainstreams?
Mein Album ist Popmusik für die breite Masse. Privat höre ich auch andere Sachen. The Whitest Boy Alive, Jamie Cullum, Jamiroquai, Deep House.
Wer von deiner Familie begleitet dich nach Oslo?
Keiner. Es ist besser, wenn ich mich auf mich selbst und die Leute, mit denen ich arbeite, konzentriere. Das ist stressfreier.
Welche Ziele hast du dir für Oslo gesteckt?
Hauptsache, ich bin mit mir selbst zufrieden. Aber: Top Ten wäre schon schön.
Eine alte Nacktszene der RTL-Dokusoap "Helfen Sie mir!" sorgte letztens für Schlagzeilen. Und in der Liste der "100 Sexiest Women In The World" belegt Lena momentan Platz 13. Warst du auf derartiges Medienecho eingestellt?
Alles, was ich irgendwann mal gemacht habe, wird gerade wieder aufgewühlt. Solange ich mit allem im Reinen bin, kann ich damit leben. Die Nacktszene war okay. Dafür muss ich mich nicht schämen, ich habe schließlich keinen Porno gedreht.
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22. April 2012,
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