Erstellt 18.05.10, 12:00h
Er habe das Gesetz unterzeichnet, um in Zeiten schlimmer Finanz-und Wirtschaftskrisen "die Einheit der Portugiesen zu fördern". In einer Fernsehansprache kritisierte Cavaco Silva die Haltung der Parteien im Parlament, die sich nicht ausreichend um eine "für die große Mehrheit der Portugiesen akzeptable Lösung" bemüht hätten.
Der Politiker der konservativ ausgerichteten Sozialdemokratischen Partei PSD lobte "juristische Lösungen" wie die Lebenspartnerschafts-Gesetze in Deutschland, Frankreich oder Dänemark, die "nicht diskriminierend sind und die Institution der Ehe als Verbindung zwischen Mann und Frau respektieren". Noch bis 1982 war Homosexualität in Portugal strafbar. Gegner der Homo-Ehe hatten eine Volksabstimmung über das neue Gesetz gefordert und dafür rund 90.000 Unterschriften gesammelt. Papst Benedikt XVI. prangerte erst vergangene Woche bei seinem Besuch in Portugal die Homo-Ehe scharf an.
Adoptionen bleiben tabu
Das Gesetz zur Einführung der Ehe zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern, das allerdings ein Adoptionsrecht ausschließt, war im Februar vom Parlament in Lissabon gebilligt worden. Der von der Sozialistischen Partei (PS) von Ministerpräsident José Sócrates eingebrachte Entwurf wurde von allen linksgerichteten Parteien unterstützt. Die PSD und andere konservative Parteien stimmten dagegen. Im April gab das Verfassungsgericht dem Gesetz seinen Segen.
Aktivisten und die linksgerichteten Parteien feierten unterdessen die Verkündung des Gesetzes, das in den kommenden Tagen nach einigen Formalitäten in Kraft treten wird. Portugal gebe der Welt ein Beispiel im Kampf gegen Diskriminierung, erklärte Paulo Côrte Real, Portugal-Chef der internationalen Homosexuellen- und Lesben-Organisation ILGA. Helena Pinto, Abgeordnete des Linksblocks (BE), sagte am Dienstag, Portugal gehöre nun "zur Gruppe fortschrittlicher Länder, die allen Menschen alle Rechte zusichert". Die Schwulen-Bewegung "Rosarote Panther" betonte, nun müsse wie beim Nachbarn Spanien auch das Adoptionsrecht für homosexuelle Ehepaare eingeführt werden, damit die Homo-Ehe nicht "eine Ehe zweiter Klasse" bleibe. (dpa, kr)
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