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Stadtentwicklung

Ruinenoptik neben der Kirche

Von Gisbert Franken, 21.06.10, 21:54h

Immer wenn Europa- oder Weltmeisterschaft die Fußballfreunde vor die Großbildleinwand locken, steht das Gelände um die Gnadenkirche im Blickpunkt der Öffentlichkeit - und jedes Mal fällt auf, dass die Problemzonen der Stadtentwicklung weiter verelenden.

Haushaltswaren Heuser
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Nur noch eine Ruine ist das schon seit langem leer stehende Gebäude von Haushaltswaren Heuser. (Bild: Daub)
Haushaltswaren Heuser
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Nur noch eine Ruine ist das schon seit langem leer stehende Gebäude von Haushaltswaren Heuser. (Bild: Daub)
Alte Feuerwache
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Auch die Alte Feuerwache verfällt. Die Heizungsanlage ist außer Betrieb. (Fotos: Daub)
Alte Feuerwache
BERGISCH GLADBACH - Alle zwei Jahre, wenn Europa- oder Weltmeisterschaft die Fußballfreunde vor die Großbildleinwand locken, steht das Gelände um die Gnadenkirche im Blickpunkt der Öffentlichkeit - und jedes Mal fällt auf, dass die Problemzonen der Stadtentwicklung östlich des Kirchenareals optisch weiter verelenden. Aus Leerständen wurden Brachen, aus Brachen Ruinen. Allmählich droht der Dornröschenschlaf ins Koma abzugleiten.

Der Arbeitskreis der Künstler (AdK) hat die Schaufenster des seit 2001 in städtischem Besitz dahinwelkenden Hauses Hauptstraße Nr. 266 (ehemals Haushaltswaren Heuser) inzwischen geräumt. Hier wurden bisher Kunstobjekte im Rahmen des Projektes Fenex gezeigt und gaben dem Haus noch den Anschein von Nutzung und Leben. Doch laut AdK-Chef Hans-Joachim Tiefenstätter lässt die Baufälligkeit der Immobilie das nicht mehr zu.

Auch die evangelische Kirchengemeinde ist beunruhigt durch die bröckelige Nachbarschaft, die wie ein siamesischer Zwilling an die populäre kircheneigene Gaststätte „Quirl's“ gekettet ist: „Als das Stadtarchiv in Köln eingestürzt ist, habe wir uns schon bei der Stadt erkundigt, wie es mit der Sicherheit des Nachbarhauses aussieht“, gesteht Presbyteriums-Vorsitzende Ricarda Appel. „Die Stadt garantierte uns, dass es nicht zusammenfällt.“

Stadtsprecher Martin Rölen gibt zu, dass die Liegenschaft „nicht schöner geworden ist“, seit die Stadt sie erworben hat. „Wir haben das Gebäude auf Abriss gekauft, um die Straße zu verbreitert. Aber wir haben in den letzten Jahren investiert, um die Standfestigkeit sicherzustellen. Von dem Haus geht keine Gefahr aus. Die Künstler hätte aus unserer Sicht die Ausstellungsfläche auch weiter nutzen können. Es war denen aber inzwischen wohl zu schäbig.“

Von Straßenverbreiterung kann aber auf absehbarer Zeit nicht die Rede sein: Der im Regionale-Konzept vorgesehene Stadtboulevard ist aus Geldmangel gestrichen, das gleiche gilt für den Kreisverkehr am Waatsack, für den noch nie Geld da war.

Die evangelische Kirche hat aus dem Planungsdesaster längst Konsequenzen gezogen: „Das Presbyterium hat beschlossen, dass das Quirl's bleibt“, tut Ricarda Appel ohne Umschweife kund. „Wir erreichen mit diesem Angebot sehr viele Menschen und zwar genau an dieser Stelle im Zentrum.“ Ein anderer Standort sei nicht diskutabel. Eine veritable Planungssackgasse also.

Die Kirche möchte auch endlich das provisorische Zeltlager am Quirls-Biergarten durch einen ordentliche Wintergarten ersetzen. Bisher scheiterte das ebenfalls an den städtischen Abbruch-Fantasien. Nun ist ein Bauantrag in Vorbereitung.

Ein paar Meter weiter nehmen Gladbachs Planungs-Altlasten noch größere Formen an: Hier wartet seit Jahren die alte Feuerwache auf die Abrissbirne. Eine Nutzung des Gebäudes, wie es jetzt ist, als „sozio-kulturelles Zentrum“ hat die Kirche geprüft. Pfarrer Thomas Werner: „Wir hatten viele schöne Ideen. Dann haben wir die vorhandene Bausubstanz von unserer Fachabteilung in Köln untersuchen lassen.“

Ergebnis: Die „Antoniter-Siedlungsgesellschaft mbH im evangelischen Kirchenverband Köln“ stellte einen unmittelbaren Sanierungsbedarf für die Wache von 1,3 Millionen Euro fest. „Das kann man knicken“, so Werner.

Die Kirche ist dennoch daran interessiert, die Immobilie, „bereinigt“ um die abgängige Bausubstanz, zu erwerben. Appel: „Wir haben die Stadt um ihre Preisvorstellung gebeten.“



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