Von Werner Grosch, 23.06.10, 23:08h
Ebenso gut kann es Passanten treffen. Etwa 12 000 Platanen stehen an Kölner Straßen, 400 auf Friedhöfen und 500 auf Spielplätzen. Die Stadt ist gesetzlich verpflichtet, den Zustand der Bäume regelmäßig zu kontrollieren, damit es nicht zu bösen Unfällen kommt. Früher war das einmal im Jahr nötig, heute schon zwei bis drei Mal.
Die Kontrollen sind aufwendig: Weil der Pilz vor allem die Oberseite von abgestorbenen oder absterbenden Ästen befällt, reicht der Blick vom Boden nicht aus. Und das Amt für Landschaftspflege und Grünflächen hat nach eigenen Angaben nicht genug Personal und Maschinen zur Verfügung. Daher müssen die Kontrollen meistens an Baumpflegefirmen vergeben werden, die von Hubarbeitsbühnen aus die Platanen begutachten. Im Jahr 2008 hat dies 150 000 Euro gekostet, im Jahr 2009 schon rund 400 000 Euro. Im laufenden Jahr mussten schon Anfang April 85 000 Euro ausgegeben werden. Das sind nur die Kosten für die Fremdaufträge, nicht eingerechnet die Kontrollen vom Boden aus und das Entfernen kranker Äste durch Mitarbeiter der Stadt.
Das Grünflächenamt rechnet damit, dass der Aufwand und damit die Kosten weiter steigen. Grund dafür ist die Klimaerwärmung und die Zunahme trockener und heißer Sommer: Die Hitze setzt die Bäume unter Stress und macht sie besonders anfällig. Seit diesem Jahr zeige sich, dass entgegen früheren Jahren auch jüngere Platanen unter 40 Jahren Standzeit befallen werden. Betroffen sind hauptsächlich Äste mit einem Durchmesser zwischen fünf und zehn Zentimetern, vereinzelt wurde aber auch Pilzbefall an 35 Zentimeter dicken Ästen festgestellt. Und weil niemand riskieren kann, dass solch ein Ast einen Menschen trifft, wird die Stadt um die teuren Kontrollen nicht herumkommen.
Die einzige Alternative heißt: Bäume fällen. Das Grünflächenamt schließt nicht aus, dass dies „im Einzelfall“ geschehen wird. Derzeit führen die Experten der Stadt einen Baumtest durch, um eine Liste mit Straßenbäumen zu erstellen. An Standorten wie der Venloer Straße, wo die Bäume durch weitgehende Bodenversiegelung und hohes Verkehrsaufkommen besonders strapaziert werden, sollen bei Neuanpflanzungen künftig andere Baumarten bevorzugt werden.
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