Von Gisbert Franken, 29.06.10, 11:16h
Es soll dann keine offenen Angebote für Jugendliche unter 14 Jahren mehr geben. Die Stadt ist der Auffassung, dass die Nachmittagsbetreuung in den offenen Ganztagsschulen (OGS) für die Versorgung dieser Altersgruppe ausreicht. Die Träger sehen das anders: Da die Stadt nur von einer Bedarfsquote von 40 Prozent der Unter-14-Jährigen ausgehe, blieben 60 Prozent der Kinder unversorgt. „Gerade die 10- bis 13-Jährigen brauchen in diesem Alter des Umbruchs - Schulwechsel, Übergang von Kindheit in die Jugendzeit - gute pädagogische Angebote“, stellen die Vertreter der sieben Einrichtungen in einem offenen Brief an die Fraktionen im JHA fest.
Es sei wichtig, bei dieser Zielgruppe einen positiven Bezug zur Offenen Kinder- und Jugendarbeit herzustellen, damit diese auch, wenn sie älter geworden seien, die Angebote wahrnehmen würden. Seit 2002 sind die Mittel für die offene Jugendarbeit in Gladbach von 1,23 Millionen auf 861 000 Euro heruntergefahren worden - also um 30 Prozent. Die Zahl der Einrichtungen wurde halbiert, die Fachstellen von 20 auf 12,8 zusammengestrichen.
Nun sind weitere 560 000 Euro im Rahmen des Nothaushaltes in den sogenannten „Korridor der Freiwilligen Leistungen“ gestellt worden, der in den kommenden drei Jahren um jeweils zehn Prozent gekürzt werden muss. 2011 sind das minus 165.000 Euro, in den Folgejahren 148 000 und 133 000. Bürgermeister Lutz Urbach ist der Auffassung, dass es „keinen Sinn macht, jetzt den Rasenmäher jedes Jahr zehn Prozent weiter nach unten zu stellen und immer kürzer zu mähen. Die Pflanzen sind dann nachher alle nicht mehr lebensfähig.“
Urbach will daher „drei zentral gelegene und gut erreichbare Einrichtungen stärken, indem dort Personalzuschüsse sogar erhöht werden. Das geht aber nur, wenn wir an anderen Stellen Einrichtungen nicht mehr bezuschussen.“ Nach Meinung der Träger fußt die offene Jugendarbeit dagegen auf einem gesetzlichen Auftrag und kann nicht einfach in diesem Umfang als eine freiwillige Ausgabe behandelt werden.
Laut Brigitte Schöttler-Fuchs (SPD) ist das letzte Wort über Umfang und Form der Kürzungen noch nicht gesprochen. „Wir sind da im interfraktionellen Arbeitskreis von den Vorstellungen der Verwaltung ebenfalls überrollt worden.“ Zwei Maßnahmen sollen die Auswirkungen des Streichkonzerts abmildern: Zum einen soll die Tagesbetreuung in den OGS / Sekundarstufe I für Kinder, die nicht die betreffende Schule besuchen, geöffnet werden. Zum anderen soll die Versorgung der Stadtteile Bockenberg und Hermann-Löns-Viertel als Pflichtaufgabe aus Mitteln des Postens „Hilfen zur Erziehung“ finanziert werden.
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