Von Renate Hotse, 30.06.10, 07:00h
Von ungefähr kommt das für ihn nicht. Denn für Kinder und Anfänger sind Isländer zum einen wegen ihres „Pony-Formats“ weniger respekteinflößend. Zum anderen sind es nach Schumachers Ansicht die ganz speziellen Eigenschaften dieser Rasse, die ihre Fangemeinde stetig wachsen lassen - vor allem auch in der Eifel. Besonders dank ihres sozialen Wesens und ihrer Ausgeglichenheit seien Isländer zum Reiten lernen ideal, findet der junge Pferdefachmann. „Die sind einfach immer freundlich“, schwärmt er. Wenn Kinder oder Reitanfänger sich einmal ungeschickt anstellen würden, nähmen die Tiere dies nicht übel, sondern blieben geduldig. Das freut auch seine zukünftige Ehefrau Kasia Oblegor , die er nächste Woche vor den Traualtar führen wird. Auch hier „mischten“ die Pferde mit: Die junge Frau aus Dottel und der Pferdezüchter lernten sich zufällig kennen, als sie den Isländern auf der Weide einen Besuch abstattete und er just zur gleichen Zeit dort nach dem Rechten schaute. Von ihrem zukünftigen Ehemann ließ auch sie sich dazu überreden, in den Sattel zu steigen und nimmt seitdem die Redensart vom „Glück der Erde auf dem Rücken der Pferde“ durchaus wörtlich.
Da er großen Wert darauf legt, dass seine Schüler nicht nur das Reiten erlernen, sondern auch den Umgang mit Striegel und Hufkratzer, ist das sonnige Gemüt der handlichen Huftiere ein echter Pluspunkt. Damit das auch so bleibt, sind Schumacher dabei zwei Dinge wichtig: für seine Schüler der Spaß am Pferd und für seine Vierbeiner deren Wohlergehen, für das er mit einer durch und durch artgerechten Haltung sorgt.
Auch an Nervenstärke seien seine Pferde kaum zu überbieten. Was die „großen Kollegen“ zuweilen in Angst und Schrecken versetze - lärmende Lastwagen oder Motorräder etwa -, lasse einen Isländer völlig unbeeindruckt: eine Art vierbeinige Lebensversicherung im Gelände.
Was nun wiederum nicht bedeutet, dass man hier einen kleinen Langweiler sattelt. „Der Isländer kann von jetzt auf gleich Temperament zeigen - wenn ich es will“, betont Schumacher und schwärmt beispielsweise von seiner Stute „Grámona“: „Ein hochexplosives Turnierpferd, das, wenn es darauf ankommt, unter einem brodelt, aber auch ganz gelassen sein kann.“
Von robuster Gesundheit sind die Isländer ohnehin, stammen sie doch aus einem Land, in dem das Thermometer selten einmal über 20 Grad Celsius klettert. „Die fangen erst im Winter an, sich richtig wohl zu fühlen“, sagt Stephan Schumacher lachend und betont, dass Mitleid selbst dann fehl am Platz ist, wenn Isländer auf ihrem Rücken eine Schneedecke liegen haben. „Das beweist doch nur, wie gut die gegen Kälte isoliert sind.“ Ein heißer Eifel-Sommer dagegen belaste die Tiere mehr.
Und mit einer weiteren Besonderheit können die Pferde aufwarten: Mit dem Pass und dem Tölt haben sie zwei Gangarten mehr als die meisten anderen Pferderassen. Insbesondere der Tölt ist gefragt bei Reitern, gilt er doch als sehr bequeme Gangart. Für dieses Jahr hat Stephan Schumacher noch große Pläne. Sollte sich seine Reitschule weiterhin so gut entwickeln, will er eine Reithalle errichten, um wetterunabhängiger zu werden. Während die Reitschule „sein eigenes Ding“ ist, funktioniert das Islandpferdegestüt „Von den Lausbuben“ als Familienbetrieb.
So wechselte man sich in den vergangenen Wochen mit den Kontrollbesuchen auf den Stutenwiesen ab, wo es reichlich Nachwuchs gegeben hat. Fünf vielversprechende Fohlen vergrößerten die Herde der Schumachers, zeigen jetzt schon jedes für sich, was in ihnen steckt und genießen auf den Wiesen bei Dottel das Leben an der Seite ihrer Mütter.
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