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Anna-Freud-Schule

„Umgekehrte“ Integration behinderter Kinder

Von Martina Windrath, 09.07.10, 07:01h

An der Anna-Freud-Schule lernen Schüler mit und ohne Behinderung zusammen. Das fördert vor allem die soziale Kompetenz. Seit mittlerweile 20 Jahren gibt es hier dieses einzigartige Modell.

Köln - Armin hat erst zwei „normale“ Grundschulen besucht, bevor der Junge mit Halbseitenlähmung auf die Anna-Freud-Förderschule für Kinder mit körperlichen Einschränkungen wechselte. „Die Klasse hat vorher immer auf mir rumgehackt, ich war der Außenseiter. Hier wird man nicht so gehänselt“, sagt er.

Abiturientin Anna, die wegen ihrer Spastik im Rollstuhl sitzt, schätzt besonders, dass sich hier die Schüler in der Oberstufe - zwei Drittel mit und ein Drittel ohne Behinderungen - „auf Augenhöhe begegnen. Hier ist die Scheu nicht so groß. Es entwickeln sich mehr Freundschaften untereinander und eine unheimlich soziale Kompetenz. Vorher war ich auf vier verschiedenen Schulen, da bin ich untergebuttert oder auch überbehütet worden. Da war man als ,KB immer in der Unterzahl. Hier wird man als Persönlichkeit gesehen, nicht vor allem als Manko.“

Während die Debatte um mehr gemeinsamen Unterricht (GU) von Kindern mit und ohne Behinderung auf Hochtouren läuft, die Schule für alle von vielen gefordert wird und das stark gegliederte Fördersystem auf dem Prüfstand steht, praktiziert die Förderschule am alten Militärring „Inklusion“ bereits seit fast 20 Jahren. Allerdings „umgekehrt“. Und mit großem Erfolg. Das finden nicht nur Armin, Anna und andere Schüler, sondern auch der Direktor des Landschaftsverbands Rheinland, Harry K. Voigtsberger, und Regierungspräsident Peter Lindlar. Sie ist - bislang - die einzige Schule mit diesem Profil in NRW. Die Öffnung von weiteren Förderschulen für Schüler ohne Behinderung sei neben mehr „GU“ an Regelschulen auch ein Weg zu mehr Integration. Voigtsberger: „Wir brauchen individuelle, differenzierte Angebote. Da sind wir noch am Anfang.“

Vor allem das fachliche Know-how und gute Ausstattung sind für einen guten gemeinsamen Unterricht gefragt, unterstreicht eine Lehrerin, die auf Beratungsangebote der Kompetenzzentren hinweist. „Nur eine Rampe zu bauen ist keine Integration. Viele Lehrer an Regelschulen haben keine Vorstellung von inklusivem Unterricht.“

Welche Schule ist die beste für Kinder je nach Handicap? Wie muss der GU optimal gestaltet werden? Vor dem Hintergrund der UN-Konvention zum Recht auch auf Zugang zur Schule für alle führen Wissenschaftler der Uni Würzburg im Auftrag des LVR gerade eine Studie in Schulen der Kölner Region durch. Der Rat beschloss, „GU“-Plätze in Köln auszubauen. Etliche Eltern stehen auf Wartelisten, besonders an weiterführenden GU-Schulen, und fordern neue Modelle. GU und / oder Förderschule? Abiturientin Anna meint: „Es gibt einen Weg dazwischen. Der erfordert viel Kreativität.“



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