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Christopher Street Day

Auf der perfekten Welle

Von Jens Meifert, 01.07.10, 11:50h, aktualisiert 04.07.10, 22:22h

Vor zwei Wochen feierte Berlin CSD, nun zeigte Köln seine volle Wucht als Homosexuellenmetropole. Neben den üblichen schrillen Inszenierungen ging es unter dem Motto "Stolz bewegt" auch um Schwule im Sport.

CSD in Köln
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(Bild: Schmülgen)
CSD in Köln
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(Bild: Schmülgen)
Köln - Die Goldjungs fliegen vorneweg. Als „Engelchen“ haben sich Tobias und Marcel mit Goldfarbe Haut und Höschen, nebst Flügelgehänge besprüht. Direkt auf Wolke 7? „Nein, erst machen wir am Boden ein paar Meter.“ Das Outfit hat schon eine längere Geschichte, sagen sie, aber es passe auch zum goldenen WM-Pokal. „Aloha.“ Große Gefühle waren eben garantiert an diesem Wochenende. Und die perfekte Welle der Fußballbegeisterung schwappte direkt rüber, als sich die Parade des Christopher Street Day (CSD) auf der Deutzer Brücke in Bewegung setzte. Zumal auch das dröhnende Liedgut („Das geht ab“) flexibel einsetzbar ist. Und das Motto des diesjährigen CSD dem Sport entlehnt ist.

„Stolz bewegt“ lautete es, oder, wie Oberbürgermeister Jürgen Roters bei der Eröffnung ergänzte: „Stolz bewegt, Liebe beflügelt.“ Eine perfekte Botschaft für die Gay Games im August. Das Sportereignis findet zum ersten Mal in Köln statt, und Barbara wird als Radfahrerin mit dabei sein. Zeitfahren, 60 Kilometer. „Ich freue mich wahnsinnig“, sagt die 50-Jährige, während sie im Zug die Fahne des SC Janus schwenkt. Mehr noch als auf das Zeitfahren freut sie sich auf das Sportfest insgesamt. „Das wird der Hammer.“

Passenderweise feiert der schwul-lesbische Turnverein SC Janus in diesem Jahr seinen 30. Geburtstag. Eine überdimensionale Torte ziehen die Sportsfreunde auf einem Wagen. Und die Fußgruppe trägt schon mal die Fahnen der Teilnehmerländer durch die Stadt. „Finale - oho“, gibts dazu vom Straßenrand.

Mehrere hunderttausend Besucher, nach Angaben der Veranstalter 900 000, verfolgen das schrille Defilee der Szene. Auf den Wagen fahren Volker Beck und Claudia Roth von den Grünen mit, Schlagerbarde Christian Anders, der Sänger Johnny Logan und - tief verehrt von der Szene - Marie-Luise Nikuta. 101 Gruppen mit insgesamt 30 000 Teilnehmern ziehen über die Straßen: Drag-Queens stöckeln auf Bürgersteig-hohen Absätzen, mit Federkränzen und anderen erstaunlichen Aufbauten bestückt über die Straßen. Dazu Paillettenkleider, Glitzeranzüge und mitunter Latex bis zur Halskrause. Und immer gibt die Trillerpfeife den Takt vor. Es fliegen Herz-Lutscher, Gummibärchen und Kondome. Die Wasserpistole ist Standardrequisit. Wer Glück hat, kann ein Päckchen Beinwellsalbe ergattern. Regeneration ist schließlich wichtig, nach einem Paradekraftakt.

Eine Gruppe aus Israel ist auch dabei. „Tel Aviv ist die einzige Stadt im Nahen Osten, in der Homosexualität toleriert wird“, sagt Adir Steiner. Der 44-Jährige organisiert die „Gay Pride Parade“ in Kölns Partnerstadt. „Es ist viel kleiner“, sagt er, „aber es wächst.“ Für eine Woche war die israelische Delegation in Köln zu Gast. „Wir haben viel gelernt, und jetzt wird gefeiert.“

Mirko ist ebenfalls auf Betriebstemperatur - und ist dabei für Recht und Ordnung zuständig. Der Polizist hat sich als Schiedsrichter („Ich kann nicht anders“) auf den Weg gemacht, und muss („Es geht hier drunter und drüber“) immer wieder zur Verwarnungskarte greifen. Dabei bleibt es insgesamt fast züchtig bei der diesjährigen Demonstration.

Im Vorjahr hatte der Veranstalter, der Kölner Lesben- und Schwulentag, eine Charta verabschiedet, die zu zurückhaltenden Darbietungen mahnte. Dieses Jahr urteilen Joachim und Hannelore Puschmann aus Pesch: alles in Ordnung. „Teilweise ist es etwas gewöhnungsbedürftig“, findet der 61-Jährige, aber das müsse man in Köln schön aushalten können. „Es ist doch auch warm“, ergänzt die Gattin grinsend. Und außerdem: „Wenn Karneval im Sommer wäre, sähe das so ähnlich aus.“

Ruth hätte gar Lust auf etwas mehr nackte Haut. Mit ihrem Mann Uli ist sie aus Haan nach Köln gefahren. Die schwarz-rot-goldene Hawaii-Kette haben die beiden gar nicht erst abgelegt. In das Stampfen der Techno-Beats hinein ruft Uli: „Wir müssen doch auf der Euphorie-Welle bleiben.“



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