Von Gisbert Franken, 23.07.10, 07:06h
Der Parallelen zwischen Wagner und Stockhausen sind zu viele, um sie alle zu vertiefen. Die Neigung zum monumentalen Opus gehört ebenso dazu wie die Konstruktion einer speziellen Mythenwelt als Folie für die musikalischen Experimente, der genialische Gestus ebenso wie die Neuerfindung einer Tonsprache mit epochalem Anspruch. Und wie sich an Wagner die Geister bis heute scheiden, so gibt es auch keine Neutralität in Bezug auf Stockhausen: entweder leidenschaftlicher Anhänger oder verständnisloser Verächter.
Für die, die sich am 31. Juli in Kürten sammeln, ist es keine Frage, dass Stockhausen der größte Komponist des 20. Jahrhunderts war, zumindest seiner zweiten Hälfte. Neun Tage lang werden sich 130 Komponisten und Musiker in Kursen und Workshops mit seinem Werk auseinandersetzen.
Die Ergebnisse werden dem interessierten Publikum in neun Konzerten vorgestellt, die ab dem 31. Juli täglich um 20 Uhr in der Sülztalhalle zur Aufführung gelangen.
Elitär zweifellos, doch genau das ist es, was Kathinka Pasveer und Suzanne Stephens von der Stockhausen-Stiftung für Musik, die Hüterinnen des künstlerischen Vermächtnisses, nicht wollen: Sie möchten die Welt dieser oft seltsamen Tonfolgen dem breiten Geschmack erschließen, Stockhausen nicht nur über den Kopf und die Theorie, sondern über das Gefühl und das reine Hören erschließbar machen.
Die Aufgabe ist schwierig: So stolz Kürten auf seinen Ehrenbürger und dessen Weltgeltung ist, der Zuspruch der einheimischen Bevölkerung zu den Konzerten bleibt überschaubar. Die Masse der Fans kommt von auswärts. Doch die Gemeinde ficht das nicht an: Sie unterstützt das Stockhausen-Projekt nach Kräften. So können auch die Konzerte in der Sülztalhalle bei freiem Eintritt angeboten werden.
Der 2007 verstorbene Komponist glaubte selbst, dass nach seinem Tode erst sein Durchbruch bevorstehe. Abweichungen von seinen Leitideen sind nicht empfehlenswert: So kehrten die Veranstalter für 2010 auch wieder zum traditionellen Neun-Tage-Zyklus zurück, den Stockhausen seit 1997 bei seine Musiktagen eingeführt hatte. Neun ist eine zentrale Zahl in seinem von Esoterik beeinflussten Denken. Die Verlängerung des Festivals im vergangen Jahr war kein Erfolg. Es blieb etwa bei der gleichen Besucherzahl, was die internationalen Gäste betraf.
Trotz der sehr dichte Atmosphäre bleibt die Zahl der Konzertbesucher hinter dem zurück, was Stockhausen in die Konzertsäle der Metropolen holt. Doch die Gralshüter vom Kettenberg geben nicht auf. Sie lassen nichts unversucht, um das Umfeld einzubinden, von der Arbeit mit Schulen bis zur verlegerischen Tätigkeit. Stockhausen soll nicht in Vergessenheit geraten.
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