Schriftgröße

Seit Samstag

Pflegeeltern nach Tod von Anna in Haft

Von Dieter Brockschnieder, 26.07.10, 07:03h

Nach dem Tod der neunjährigen Anna sitzen die jeweils 51-jährigen Eltern in Haft. Der Pflegevater hatte Gewalt gegen das Mädchen gestanden und sprach im Verhör von „Erziehungsmaßnahmen“.

Bad Honnef
Bild vergrößern
Ein Polizist untersucht am Freitag in Bad Honnef Spuren an einem Hauseingang. (Bild: dpa)
Bad Honnef
Bild verkleinern
Ein Polizist untersucht am Freitag in Bad Honnef Spuren an einem Hauseingang. (Bild: dpa)
BAD HONNEF / KÖNIGSWINTER - Zwei Kerzen vor der Tür, ein Kinderwagen, Rollläden heruntergelassen: Mehr ist am Wochenende nicht zu erkennen vor dem Haus in Bad Honnef, dem Schauplatz einer monatelangen Tragödie, an deren Ende der Tod eines Kindes steht. Die neunjährige Anna, davon sind Mordkommission und Staatsanwaltschaft überzeugt, wurde hier von ihren Pflegeeltern getötet. Die beiden 51-Jährigen, denen das Mädchen aus Königswinter vor zwei Jahren in Obhut gegeben worden war, sitzen seit Samstagabend in Haft.

Wie Oberstaatsanwalt Robin Faßbender am Samstagnachmittag in einer Pressekonferenz im Bonner Polizeipräsidium sagte, werden den Pflegeeltern mehrfacher Missbrauch von Schutzbefohlenen sowie Körperverletzung und Freiheitsberaubung mit Todesfolge vorgeworfen. Die zuständige Haftrichterin am Amtsgericht Bonn bestätigte nach ihrer Befragung der Eheleute, die am Donnerstagabend festgenommenen worden waren, die Vorwürfe und verkündigte den Haftbefehl.

Vorausgegangen waren akribische Untersuchungen der Mordkommission am Tatort. Die Beamten fanden dort Klebebänder, die darauf hindeuteten, dass das Kind gefesselt worden war. Nach Angaben von Faßbender hat der Pflegevater, als er mit den Spuren konfrontiert wurde, in seiner Vernehmung am Freitag zugegeben, dass die ihm vom Jugendamt Königswinter anvertraute Anna in den vergangenen drei Monaten mehrfach für einige Minuten mit dem Klebeband an Händen und Füßen gefesselt worden sei. Das sei eine „Erziehungsmaßnahme" gewesen, wenn das Kind „bockig" gewesen sei, nicht essen oder sich nicht baden lassen wollte. Die Erwachsenen hätten sich vor dem Kind und Anna vor sich selbst „schützen" wollen, sagte der 51-Jährige der Polizei. Das Mädchen galt als autoaggressiv und soll dazu geneigt haben, sich selbst zu verletzen. Dieses Verhalten haben Ärzte den Ermittlern bestätigt. Zudem soll Anna an einer Wasserphobie gelitten, also Angst vor Wasser gehabt haben.

Am Donnerstagmittag wurde Anna laut Polizei wieder gefesselt, weil sie nicht essen wollte, am Abend wurde sie von den Pflegeeltern erneut mit dem Klebeband fixiert, um sie zu baden. In der Badewanne sollen sich die Fesseln teilweise gelöst haben; als das Kind sich nun wehrte, sei es von der Pflegemutter unter Wasser gedrückt worden, sagte der Ehemann im Polizeiverhör. Vor der Haftrichterin korrigierte er nach Angaben Faßbenders allerdings diese Einlassung: Er selbst habe das Kind untergetaucht, so der 51-Jährige. Anna ist ertrunken, wie die Obduktion ergab.

Sofort nach der Tat hätten die Pflegeeltern Wiederbelebungsmaßnahmen eingeleitet und gegen 20.50 Uhr den Rettungsdienst informiert, erzählten sie der Polizei. Das Kind starb jedoch in der Kinderklinik Sankt Augustin. Da die Rettungskräfte zahlreiche blaue Flecken am Körper der Kleinen entdeckten, schalteten sie die Polizei ein, die noch am Abend eine Mordkommission unter der Leitung von Kriminalhauptkommissar Hartmut Becker bildete.

Die Pflegemutter hat laut Polizei jegliche Gewalt gegen das Kind bestritten und die Fesselungen nur teilweise eingeräumt. Die Haftrichterin ließ aber die Frage offen, wer von beiden das Kind untergetaucht hatte, der Mann oder die Frau, und schickte die Eheleute in Untersuchungshaft.

Die Mordkommission ermittelt weiter und versucht nun zu klären, woher die Hämatome kommen und ob das Kind, wie von den Pflegeeltern in der ersten polizeilichen Vernehmung am Freitag dargestellt, am vergangenen Mittwoch wirklich vom Balkon der Hochparterrewohnung gesprungen ist.



Die Kölnische Rundschau im Abonnement erhalten JETZT BESTELLEN!
4 Wochen Rundschau zum Vorzugspreis. Sie sparen mehr als 35%.

Newsticker


Anzeige


Bildergalerien


Rundschau-Forum


Rundschau-Service


Rundschau auf Facebook

Kölnische Rundschau on Facebook

Rundschau-Service


RHEINLAND WETTER


Aktion


Extra


Extra




Extra


Dienste