Von Daniel Taab, 26.07.10, 21:43h, aktualisiert 27.07.10, 18:25h
Nach Auskunft von erfahrenen Polizisten ist es üblich, dass bei derartigen Großveranstaltungen schon Wochen oder Monate vorher, die „ordnungsbehördliche Erlaubnis“ unterschrieben wird. Ansonsten könnten die Planungen nicht vernünftig fortgesetzt werden. „So etwas habe ich in den vergangenen 30 Jahren noch nicht erlebt“, sagte ein Polizist, der seit vielen Jahren große Events in einer Millionenstadt federführend durchgeführt hat.
Unterdessen wurde bekannt, dass keiner der über 200 Kölner Polizisten, die die Katastrophe im Tunnelbereich mitbekamen, heute zur Arbeit gehen musste. „Sie haben den Montag freibekommen“, hieß es aus Polizeikreisen. Ob sie morgen zum Dienst kommen, wurde ihnen freigestellt. Die Behörde bietet den Beamten psychologische und seelsorgerische Hilfe an. Auch wenn die Polizisten wieder zur Arbeit kommen und möglicherweise später erst Schockzustände erleiden. Insgesamt waren die 14. und 15. Hundertschaft der Kölner Polizei, plus Abteilungsführung, an dem Einsatz in Duisburg beteiligt. Dabei sehr viele Beamte „mitten im tragischen Geschehen“, wie ein Ermittler sagte. „Ich habe von einem Kollegen gehört, der hat einen Menschen aus der Masse gezogen, dann zwei und beim Dritten versagten ihm die Kräfte und er musste die Person loslassen“, ergänzte der Beamte. Dies gehe den eingesetzten Polizisten sehr nahe, weil sie nicht wissen, was mit dieser Person geschehen sei. „Es sind schlimme Bilder, die die Beamten mit nach Hause genommen haben“, ergänzte ein Vorgesetzter im Gespräch mit der Rundschau. Die Männer und Frauen der Hundertschaft seien einiges gewöhnt und hätten schon viel miterlebt: „Aber das war eine andere Dimension“.
Die Ermittlungen zur Unglücksursache der Katastrophe von Duisburg mit 19 Toten übernimmt die Kölner Polizei. Dies teilte das Innenministerium mit. Im Kölner Präsidium soll der komplexe Sachverhalt von Ermittlern in Verbindung mit der Duisburger Staatsanwaltschaft aufgeklärt werden. Bei größeren Schadensereignissen ist es gängige Praxis, das eine größere Polizeibehörde aus Gründen der Objektivität den Fall übernehmen. In der eigens gegründeten Ermittlungskommission sollen nun die Umstände der Katastrophe geklärt werden. Die Kölner Polizei ist die größte Polizeibehörde in Nordrhein-Westfalen.
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