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Zeitungs-Ausstellung

Klosettlektüre und Kartenspiel

Von Dörte Staudt, 27.07.10, 16:06h

Der Zeitungssammler Franz-Josef Wiegelmann zeigt bei einer bis 5. September geöffneten Ausstellung im Siegburger Stadtmuseum, wie sich Zeitung und Kunst gegenseitig inspirieren. Unterstützung holte er sich durch den Kölner Aktionskünstler HA Schult.

Siegburg - Dass eine Zeitung auch am Tag nach ihrem Erscheinen mehr Wert besitzt als die Verpackung von Fisch und Gemüse, diese Erkenntnis kommt dem Journalisten sehr entgegen. Wie sehr aber dieses Nachrichten-Medium, das seit rund vier Jahrhunderten über die Gesellschaft, über Politik, Kultur und Kunst berichtet, gerade von letzterer, eben der Kunst, selbst zum Objekt der Reflexion gewählt worden ist, zeigt der Siegburger Sammler Franz-Josef Wiegelmann jetzt im Stadtmuseum.

"Die Zeitung in der Kunst" oder "Zeitungskunst als Mittel der politischen Auseinandersetzung" überschrieb er die zwei größten Themenblöcke, die er mit Exponaten über die historische Entwicklung der Gazette an sich und einigen lyrischen Beispielen angefüttert hat.

Angefangen etwa mit dem Stich eines Kramers "mit der newe Zeitung" aus dem 16. Jahrhundert bis zum 2006 entstandenen Liedtext der deutschen Hip-Hop-Gruppe "Fettes Brot". Und dann gibt es da noch die Abteilung "Zeitung in der Kunst des Alltags", für die Wiegelmann etwa die Hummelfigur mit der Katalognummer 184 - eine Hommage an die Klosettlektüre -, ein Kartenspiel mit Szenen aus E. O. Plauens "Vater und Sohn" ausgewählt hat, Erzählungen, die Zeitung zum Thema haben.

Ständige Inspirationsquelle

Der Zeitungsleser, auch der Redakteur und immer wieder der Straßenverkäufer aber hat schon früh immer wieder die bildenden Künstler animiert. Der Sammler zeigt hier Beispiele, mit Kupferstichen aus dem 17. Jahrhundert, einer Zeichnung aus dem 19. Jahrhundert und schließlich, eigens angefertigt, das lesende Huhn der Siegburger Keramikkünstlerin Christine Kramer-Panier und die kleine Tonskulptur "Die Geburt der Zeitung" des ebenfalls in der Kreisstadt arbeitenden Künstlers Herbert Bergold. Besondere Freude hat der Sammler an der politischen Auseinandersetzung, die ein Honoré Daumier oder John Heartfield ausdrückte.

Glanzstück der Ausstellung ist eine Großfotografie. "Nachts um 23.50 Uhr habe ich elektronisch bei HA Schult nachgefragt, ob er sich vorstellen könne, mich zu unterstützen, um 23.55 Uhr hatte ich die Antwort", begeisterte sich Franz Josef Wiegelmann: "Selbstverständlich!" Denn der Aktionskünstler HA Schult hatte im Jahr 1983 die Washington Street in New York mit 360.000 Exemplaren der "New York Times" bedeckt. Die Aufnahme mit Blick auf die damals als Symbol des Kapitalismus aufragenden Twin Towers erscheinen heute wie ein Menetekel.

Ein bisschen schade ist allerdings, dass die vielen Exponate im Foyer ein wenig verstreut präsentiert werden. Wer sich ausgiebig und auch nach dem 5. September für das Thema interessiert, kann in Ruhe nachlesen: "Newspaper-Art" heißt auch der Katalog, der im Bernstein-Verlag erschienen ist.



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