Von Hartmut Wilmes, 28.07.10, 13:52h
Da mag die derart Gerühmte nicht zurückstehen, zumal sie wohl negative Spätfolgen ihres von der Stadtspitze missbilligten Einsatzes für die Schauspielhaus-Sanierung befürchtet hatte. Umso erfreuter registriert sie nun, „dass ich nach der turbulenten Zeit, die wir mit- und gegeneinander verbracht haben, keine unerwünschte Person bin, sondern sehr freundlich umworben wurde.“ Das gestern feierlich unterzeichnete Ergebnis eines „kurzen, intensiven Verhandlungsprozesses“ (Roters) wurde zuvor von der Politik einstimmig gebilligt und lässt Karin Beier strahlen: „Das ist ein cooler Vertrag.“ Der gängige Fünfjahreskontrakt schien ihr zu langfristig („dann bin ich alt und grau“), und so betrifft die Abmachung zunächst zwei weitere Jahre bis Ende 2013 / 14. Doch der Vertragshorizont reicht bis 2016 / 17, wobei Beier einseitig von Jahr zu Jahr über ihre Zukunft entscheiden darf.
Dank dieser Flexibilität könnte sie rasch auf städtische Etatkürzungen reagieren und hat deshalb darauf verzichtet, sich ein höheres Budget zusichern zu lassen. „Bis jetzt ermöglicht es uns der Etat ja, anständiges Theater zu machen. Wenn wir uns - was wir gern tun - etwa mit dem Burgtheater und den ersten deutschen Häusern messen sollen, muss klar sein, dass wir um dieselben Regisseure und Schauspieler werben.“ Auch deshalb haben Roters und Quander die Bühnen bewusst von der städtischen Spardiät befreit. Die Intendantin selbst bekommt höhere Bezüge, „wobei ich keine Summe gefordert habe, sondern die Stadt mal habe kommen lassen. Schließlich bin ich hier als Anfänger-Intendantin gestartet, inzwischen aber auch von anderen Städten umworben“. Das Resultat: „eine maßvolle Erhöhung“, wie Roters sagt.
Die Entscheidung für Köln sieht Beier keineswegs nur als Erfüllung einer moralischen Verpflichtung nach dem erfolgreichen Kampf für die Sanierung. „Die Stadt hat uns sehr gut aufgenommen, das Publikum ist den nicht ganz leichten Weg mit uns gegangen.“ Als größte Aufgabe sieht sie es nun, „die Interimszeit nicht als notwendiges Übel zu sehen, sondern als Chance, aus dem unvermeidlichen Chaos neue Energie zu schöpfen“. Apropos: Ihr eigener Akku war nach dieser strapaziösen Saison so leer, dass sie künftig nur noch eine Regie-Verpflichtung pro Saison hat. „Das war meine Bedingung, denn der permanente Kreativitätsdruck wirkt äußerst belastend.“ Allerdings ist der Vertrag auch in diesem Punkt komfortabel: „Ich kann auch drei Inszenierungen machen, wenn mich die Muse küsst.“
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22. April 2012,
E-Werk Köln