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Tötungsdelikt Anna

Jugendämter angezeigt

Von Carsten Schultz, 29.07.10, 07:00h

Im Falle der in Bad Honnef getöteten neunjährigen Anna ermittelt die Staatsanwaltschaft nun auch gegen die Jugendämter. Ein Bürger hat Anzeige erstattet. Die Pflegeeltern hatten einen Vertrag mit der Diakonie Düsseldorf als Vollzeitpflegefamilie.

Tod in Bad Honnef
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Das Mädchen ist in ein Kinderkrankenhaus eingeliefert worden, wo es später verstarb. (Bild: dpa)
Tod in Bad Honnef
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Das Mädchen ist in ein Kinderkrankenhaus eingeliefert worden, wo es später verstarb. (Bild: dpa)
BAD HONNEF / KÖNIGSWINTER. Im Falle der in Bad Honnef getöteten neunjährigen Anna ermittelt die Staatsanwaltschaft nun auch gegen die Jugendämter in Bad Honnef und Königswinter. Ein Bürger hat Anzeige erstattet wegen des Vorwurfs der fahrlässigen Tötung und der fahrlässigen Körperverletzung. Das bestätigte der ermittelnde Staatsanwalt Robin Faßbender auf Anfrage. Wie die Rundschau weiter erfuhr, haben die inhaftierten 51-jährigen Pflegeeltern, denen der Tod des Kindes zur Last gelegt wird, seit Dezember 2009 einen Vertrag mit der Diakonie Düsseldorf als Vollzeitpflegefamilie. Das bestätigte Diakonie-Sprecher Manuel Falkenberg auf Anfrage. Weitere Einzelheiten zu den Hintergründen und dem Zustandekommen des Vertrags wollte und konnte er mit Hinweis auf die laufenden Ermittlungen nicht sagen.

Wie berichtet, werden den Pflegeeltern mehrfache Misshandlung von Schutzbefohlenen sowie Körperverletzung und Freiheitsberaubung mit Todesfolge vorgeworfen. Die 51-Jährigen sitzen in Haft. Sie sollen die ihnen vom Jugendamt Königswinter anvertraute Anna in den vergangenen drei Monaten mehrfach mit Klebeband an Händen und Füßen gefesselt haben. Der 51-jährige Pflegevater hat ausgesagt, das Kind vergangenen Donnerstag beim Baden unter Wasser gedrückt zu haben. Anna ist ertrunken.

Ob den Jugendämtern in Bad Honnef beziehungsweise Königswinter Versäumnisse vorzuwerfen sind, ist weiter offen. Bei der Stadt Königswinter dauerten die internen Überprüfungen auch gestern noch an. Rechtsamtsleiter Holger Jung sagte zudem, angesichts der Anzeige gegen das Königswinterer Jugendamt und die damit verbundenen Ermittlungen werde die Stadt vorerst keine Details mehr bekannt geben. Vor dem Tode Annas soll es mindestens zweimal Hinweise besorgter Nachbarn gegeben haben. Die Neunjährige soll autoaggressiv gewesen sein und eine Wasserphobie gehabt haben.

Zu Berichten in einem Boulevard-Blatt, die Bad Honnefer Pflegefamilie habe ihren 2003 im Alter von 26 Jahren verstorbenen behinderten Sohn „wie einen Sklaven oder ein Tier gehalten“, äußerte sich Staatsanwalt Robin Faßbender nicht. Die in dem Blatt zitierte Frau sei zwar als Zeugin vernommen worden, über den Inhalt ihrer Aussagen sage er aber nichts. Die Umstände um den verstorbenen Sohn seien Gegenstand späterer Ermittlungen, erstmal kümmere man sich um das aktuelle Geschehen. Laut Faßbender müssen im Fall Anna viele Zeugen - von Mitarbeitern des Jugendamts über Ärzte bis hin zu Eltern früherer Pflegekinder - vernommen werden.

Eine Nachbarin hatte den Pflegevater unmittelbar nach dem Tod Annas als freundlich und „ganz, ganz lieben Menschen“ beschrieben. Uwe Löttgen-Tangermann, Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Bad Honnef, hat am Sonntag die Besucher seines Gottesdienstes aufgefordert, nicht alles zu glauben, was in manchen Medien berichtet werde. Man solle genauer hinsehen und die weiteren Ermittlungsergebnisse abwarten. Weitere Aussagen lehnte Löttgen-Tangermann auf Anfrage ab. Er äußere sich über Mitglieder seiner Gemeinde nicht in der Öffentlichkeit.

Nach Rundschau-Informationen sind selbst erfahrene Ermittler der Mordkommission über den Fall erschüttert. Demnach wurde Anna mit so genanntem Panzerklebeband an Händen und Füßen gefesselt - auch an dem Tag, an dem sie starb.



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