Von Bernd F. Hoffmann, 29.07.10, 07:06h
Und das auf historischem Grund und Boden. Denn der Spediteur ist seit vier Jahrzehnten der Besitzer des im Jahre 1890 errichteten Immekeppeler Bahnhofs. Dabei spielt übrigens auch eine seiner schlaflosen Nächte eine wichtige Rolle.
Ein Preisgeldvon 7000 Euro wartet
Mertens Einsatz ist es zu verdanken, dass das altehrwürdige Gebäude aus dem 19. Jahrhundert heute noch an die frühere Sülztalbahn erinnert. Ein Einsatz, der sich demnächst finanziell auszahlen könnte. Merten hat seinen Bahnhof in das Rennen um den diesjährigen Rheinischen Preis für Denkmalpflege geschickt. Auf den Sieger wartet im kommenden Herbst ein Preisgeld von 7000 Euro.
Dabei kommt Bahnhofsbesitzer Merten als Spediteur eigentlich aus dem „feindlichen Lager“. Denn ab den sechziger Jahren bereitete auch der wachsende Bus- und Lkw-Verkehr der Sülztalbahn und damit dem Bahnhof Immekeppel das endgültige Aus.
Bis zum Jahre 1960 wurden auf der Strecke zwischen Hoffnungsthal und Lindlar noch Personen per Schienenbus transportiert, sechs Jahre später stellte die Bundesbahn auch den Güterverkehr ein. Ein Ende, das Merten bedauert. „Die Strecke hätte eine Modernisierung benötigt, aber sicher keinen Abriss“, ärgert sich Merten. Doch selbst die stilllegungswütige Bahn konnte nicht von heute auf morgen alles dichtmachen, sondern musste für Schienenersatz sorgen. Spediteur Merten erhielt das Angebot, einen Teil des Stückgut-Transportes zu übernehmen.
Zunächst startete Merten seine Lkws vom ebenfalls stillgelegten Bahnhof Untereschbach aus. Doch das Gebäude musste im Jahre 1969 einer Autobahnbrücke weichen. Als Ersatz bot die Bahn den Bahnhof Immekeppel an. „Der Kaufpreis betrug damals günstige 35 000 Euro“, erinnert sich Merten.
Ein mit dem Umbau beauftragter Architekt wollte das Gebäude weitestgehend abreißen und durch eine Bungalowbauweise ersetzen. Doch dann erlebte Merten wieder so eine schlaflose Nacht: „Ich grübelte im Empfangsgebäude vor mich hin. Und vor meinem geistigen Auge sprachen Gestalten von früher auf mich ein, das Gebäude nicht abzureißen“.
Der Spediteur hörte auf die alten Bahnhofsgeister. Ein Jahr lang renovierte er bis auf den Außenanstrich alles eigenhändig und baute den Bahnhof zum Wohn-und Firmensitz aus, bewahrte aber dabei den alten Landhausstil. Heute dient das Gebäude in erster Linie als Firmenbüro. Doch immer noch finden sich in dem historischen Bau die Spuren der einstigen Eisenbahnherrlichkeit. Die Aufschrift „Fahrkartenausgabe“ weckt ebenso Erinnerungen wie die ehemaligen Wartesäle der 1. und 2. Klasse mit „Bewirtungsküche“ und das frühere Stellwerk.
Vom Stellwerk aus zeigt Merten auf den Kiesplatz. „Dort lagen einst die Gleise, zwei für den Personenverkehr, ein Abstellgleis und eines, das zur Verladerampe am Güterschuppen führte“, berichtet Merten.
Der historische Güterschuppen existiert ebenfalls immer noch nahezu unverändert. Über dem Bahnhofsgebäude befindet sich die einstige Wohnung des Bahnhofsvorstehers, die mittlerweile vermietet ist. Und das Nebengebäude, das zu Bahnhofszeiten sanitäre Anlagen und den Viehstall des Bahnhofsvorstehers beherbergte, hat Merten zu einem Gästehaus umgebaut.
Der Bahnhofsbesitzer sammelt übrigens nicht - wie mancher vermuten würde - Modelleisenbahnen, sondern historische Motorräder. Deshalb weiß er schon, was er mit dem eventuellen Gewinn machen will. „Das stecke ich in den Bau eines Motorradmuseums“, verrät Merten.
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