Von Lara Hunt, 30.07.10, 07:06h
Keine Selbstverständlichkeit. Denn 1995 wurde die Gemeindebücherei in Frielingsdorf geschlossen. Von da an sollte es nur noch eine Kinder- und Jugendbücherei geben. Doch ein paar Frauen aus Frielingsdorf beschlossen, sich dies nicht gefallen zu lassen. Und so gründeten sie den Treffpunkt Bücherwurm e.V. „Es war viel Arbeit, bis wir unseren Verein eingetragen hatten. Aber wir wollten mit aller Gewalt eine Bücherei in Frielingsdorf“, erklärt Erika Lob, zweite Vorsitzende des Bücherwurms. „Wir sind allesamt Leseratten“, fügt die erste Vorsitzende Marita Blumberg hinzu. Die beiden sind von Anfang an dabei.
Alle Frauen, die damals mitmachten, seien berufstätig gewesen, einige sind es immer noch. Ein paar seien über die Zeit abgesprungen - hatten durch berufliche Gründe keine Zeit mehr. Oder sie sind umgezogen. Aber „der harte Kern“, bestehend aus Lob, Blumberg und ein paar anderen, der ist immer noch mit dabei.
Jeden Dienstag und Donnerstagnachmittag sind drei bis vier der insgesamt 12 ehrenamtlichen Helferinnen des Treffpunkts Bücherwurm in ihrer Bücherei. Dort beraten sie Leser, laden zum Kaffeetrinken ein oder erklären etwas über die bergische Geschichte. Ein Steckenpferd Blumbergs, die halbtags im Aggerverband arbeitet. Ihre Kollegen loben ihr Engagement - jeden Donnerstag wäre sie dort, sie würde die meiste Arbeit erledigen. Und sie nähme sich sogar extra Urlaub, um Aktionen vorzubereiten. Doch Blumberg bleibt bescheiden: „Wir sind ein Team“, erklärt sie mit Nachdruck.
Ein Team mit einer gut sortierten Bücherei. Stolz sind die Frauen darauf, besonders viele aktuelle Titel anbieten zu können. „Wir sind auf Spenden angewiesen“, erklärt Lob. „Deshalb gibt es bei uns auch Sponsorenbücher“, erklärt Blumberg die clevere Geschäftsidee, Spender vorn im Buch zu vermerken.
Die Frauen sind zufrieden mit ihrer Arbeit. Einfach sei es allerdings nicht immer gewesen. Erst seit September letzten Jahres befinden sie sich in der Jan-Wellem-Straße, mitten im Dorf. Vorher hatte ihnen die Gemeinde einen Kellerraum zur Verfügung gestellt. Dies schreckte einige Besucher ab. „Die Treppen waren eine Zumutung für einige der älteren Leute - jetzt kommen sie häufiger“, sagt Lob. Und: Viele hätten trotz Öffentlichkeitsarbeit gar nicht gewusst, wo die Bücherei zu finden war. Nicht nur das machte die Lage im alten Raum schwer - zweimal mussten die Frauen dort ihre Bücher vor Hochwasser retten.
Viele Aktionen haben die Frauen von Frielingsdorf schon hinter sich gebracht. Weihnachtsmarktstände mit den „Flohmarkt-Büchern“, die man sonst in der Bücherei kaufen kann. Oder die längste Kaffeetafel Frielingdorfs zum zehnjährigen Bestehen, deren Erlös der Neugestaltung des Schulhofs zugute kam.
Demnächst steht eine Ausstellung zum Thema “Frielingsdorf jetzt an, welche das Dorf zeigen soll, bevor es sich durch den neuen Kreisverkehr und andere Umbaumaßnahmen verändern wird. Dafür suchen die Frauen noch Fotos. Diese sollen dann später Teil ihres Archivs werden, das Fotos aus den unterschiedlichsten Zeiten sammelt.
Außerdem stehen nach den Ferien wieder Lesungen an. Dafür haben die Frauen schon viele Schriftsteller aus der Gegend gewonnen - unter anderem Thomas Dohrmann, Werner Kronenberg, Hanna Wirtz und Andrea Wöhl.
Auch Männer sind willkommen
Helfer suchen die Frauen vom Bücherwurm immer. Gern mit Computerkenntnissen. Auch Männer sind herzlich willkommen. „Ab und zu brauchen wir unsere Männer, zum Beispiel als wir umgezogen sind“, erzählt Marita Blumberg.
Hat sich die Familie nie beschwert? Die Leseratten schütteln die Köpfe. „Meine Kinder sind selbst versessen auf Bücher“, sagt Lob. Das sind auch die Jugendlichen, die die neue Jugendabteilung des Bücherwurms besuchen - genauso wie die Erwachsenen. „Das muss unterstützt werden, sagt Joachim Schulz, während er nach weiteren Schmökern sucht.
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