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Narrenzunft Neye

Drei sind keiner zuviel

Von Stefan Corssen, 30.07.10, 07:06h

Mit dem Gedanken an blonde Zöpfe auf dem Kopf mag sich Helmut Bangert noch nicht so recht abfinden. Doch er weiß, dass für ihn kein Weg daran vorbeiführen wird. Denn die blonde Zopfperücke ist ein Muss für eine Jungfrau im Karneval.

WIPPERFÜRTH - Mit dem Gedanken an blonde Zöpfe auf dem Kopf mag sich Helmut Bangert noch nicht so recht abfinden. Doch er weiß, dass für ihn kein Weg daran vorbeiführen wird. Denn die blonde Zopfperücke ist ein Muss für eine Jungfrau im Karneval. In der kommenden Session wird die Narrenzunft Neye erstmals in ihrer Geschichte ein Wipperfürther Dreigestirn präsentieren, bestehend aus Prinz Robert Tönnes, Bauer Wolfgang Hörter und eben der Jungfrau Helmut Bangert. Alle drei sind gebürtige Wipperfürther und seit langem mit dem Karneval verbunden.

Für Robert Tönnes geht damit ein alter Traum in Erfüllung. „Ich wollte schon immer Wipperfürther Prinz werden, jetzt habe ich zwei Verbündete gefunden.“ Seit 30 Jahren mischt der Maschineneinsteller im Wipperfürther Zug mit, erst bei der Gruppe Stöppgeshof, dann bei der Gruppe Robinienweg. Vermutlich wäre Tönnes schon früher Prinz geworden, doch seine Ehefrau konnte sich mit der Rolle der Prinzessin nicht anfreunden.

Die Idee, ein Dreigestirn aufzustellen, entwickelte sich Schritt für Schritt. Prinz und Bauer in spe sind Nachbarn, beide wohnen in der Neye-Siedlung, wo auch die Narrenzunft ihre Wurzeln hat. „Eines Abends saßen Wolfgang und ich zusammen und fanden, wir müssten so etwas zusammen machen“, erinnert sich Wolfgang Hörter. Der selbstständige Malermeister, mit 51 Jahren der Jüngste im Trifolium, fand schnell gefallen an seiner zukünftigen Rolle als „staatser Buur“.

Doch wer sollte die Rolle ihrer Lieblichkeit übernehmen? Rüdiger Clever, 1. Vorsitzender der Narrenzunft und 2003 selbst Wipperfürth Prinz, wusste Rat. Er ging auf Helmut Bangert zu und sagte: „Du musst Jungfrau werden.“ Der 61-jährige Vorruheständler ist seit vielen Jahren im Elferrat der Narrenzunft aktiv. Bangert ließ sich breit schlagen, „sie haben sonst keinen Dollen gefunden“, sagt die Jungfrau und lacht.

Für die Narrenzunft, die 2011 ihr jeckes, 55-jähriges Jubiläum feiert, bedeutet das erste Dreigestirn eine große Herausforderung, sowohl organisatorisch als auch finanziell. „Drei Mann unter einen Hut zu kriegen ist schwieriger als ein Ehepaar“, weiß Narrenzunft-Präsident Bernd Köllner. „Da wird uns sicher noch die eine oder andere Überraschung erwarten.“ Und so bittet er alle Vereine und Einrichtungen, die vom Dreigestirn besucht werden wollen, sich frühzeitig unter Telefon 0 22 67 / 77 61 zu melden. Währenddessen studieren die Wipperfürther Jecken schon einmal die Preislisten der Karnevalsausstatter. Ein Prinzenkostüm haben die Wipperfürther, und das Kleid der Prinzessin lässt sich für die Jungfrau umarbeiten. Doch für die Ausstattung des Bauern inklusive der prächtigen Federmütze müssen die Wipperfürther tief in die Tasche greifen. Und auch die Equipage soll aufgestockt werden, außerdem denkt der Vorstand der Narrenzunft über einen zweiten Festwagen nach.

„Dank großzügiger Unterstützung von Spendern stehen wir heute besser da als vor einigen Jahren“, sagt Präsident Köllner.

Für ihr Jubiläumsjahr haben sich die Blau-Weißen einiges einfallen lassen. Die Session startet am Freitag, 12. November, mit der Proklamation des Dreigestirns in der Alten Drahtzieherei, unmittelbar nach der Prinzenwahl. Die findet geheim statt, doch mit einer Überraschung oder einem zweiten Prinzenkandidaten rechnet niemand. Während die Narrenzunft bei der Proklamation auf Wipperfürther Kräfte setzt, werden zur großen Prunksitzung am 19. Februar in der Mühlenberghalle auch bekannte Größen des Kölner Karnevals präsentiert. Dazu gehören die Tanzgruppe der „Hellige Knäächte un Mägde“, das Reiterkorps Jan van Werth und Bauchredner Fred van Halen. Der Vorstand hofft, mit diesem Programm viele Besucher zu überzeugen, nachdem dieses Jahr einige Plätze frei geblieben waren.

Historische Filme

auf DVD

Passend zum 55-jährigen Jubiläum der Narrenzunft Neye hat der Verein zusammen mit dem Filmclub 86 eine DVD mit historischen Filmaufnahmen des Wipperfürther Karnevals zusammengestellt. Ausschnitte sollen während der Session gezeigt werden, außerdem soll die DVD bald zu kaufen sein.

Das neue Dreigestirn freut sich schon jetzt auf den Höhepunkt der Session, den großen Wipperfürther Zug am Karnevalssonntag. Der soll dann auch wieder durch die komplette Neye-Siedlung führen, nachdem dieses Jahr der Zugweg schneebedingt verkürzt werden musste. Am Motto für die neue Session wird noch gearbeitet, doch Prinz, Bauer und Jungfrau haben sich schon ein festes Ziel gesetzt: „Wir wollen den Menschen viel Spaß bringen.“



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