Von Carsten Schultz, 30.07.10, 07:00h
Er äußerte sich damit zugleich ausführlicher als zuvor sein Sprecher, der mit Hinweis auf die laufenden Ermittlungen nur von einem Vertrag mit der Pflegefamilie gesprochen hatte. „Wir sind nicht diejenigen, die die Pflegefamilie ausgesucht haben. Wir haben mit Schulung oder Ausbildung der Pflegefamilie nichts zu tun“, stellte Krebs klar.
Aus Sicht der Stadt Königswinter waren die 51-jährigen Pflegeeltern, denen die Ermittler den Tod der Neunjährigen anlasten, für die Betreuung des Kindes geeignet, obwohl Anna autoaggressiv gewesen sein und eine Wasserphobie gehabt haben soll. „Die Pflegeeltern waren nach Einschätzung des Jugendamtes und aller hinzugezogenen Stellen und Fachdienste qualifiziert“, teilte die Stadt auf einen schriftlich vorgelegten Fragenkatalog der Rundschau ebenfalls schriftlich mit. Die meisten Fragen zur Pflegefamilie und ihrer Qualifikation, zu Anna und ihrer Vorgeschichte sowie zu der Frage, ob Hinweise auf Probleme in der Familie beim Jugendamt eingegangen sind und ob reagiert wurde, wurden nicht beantwortet. Zur Begründung verwies die Stadt auf Datenschutz, Persönlichkeitsrechte und die laufenden Ermittlungen der Staatsanwaltschaft.
Aber der Vorfall vom November, als die Polizei schon einmal zu der Familie gerufen worden war, sei „aktenkundig“. Gab es Konsequenzen? „Das damalige Verfahren ist nach den hohen Standards des Jugendamtes sachgemäß bearbeitet worden.“ Weitere Details könne man nicht verraten. Begründung: siehe oben.
Offenbar war der Sozialarbeiter der Diakonie Düsseldorf nicht der einzige externe Experte, der mit Anna und der Pflegefamilie befasst war. Auf die Frage: „Wie wurde die Pflegefamilie betreut?“schreibt die Stadt: „Nachdem die Familie zunächst allein durch eigene Kräfte betreut wurde, wurde ihr im November 2009 zusätzlich der Fachpflegedienst der Bergischen Diakonie vorgestellt, der die intensive Begleitung und Betreuung ab Januar 2010 übernahm. Auch im Anschluss daran fanden regelmäßige halbjährliche Hilfeplangespräche und ein regelmäßiger Austausch mit der sehr erfahrenen und hoch qualifizierten Fachkraft der Bergischen Diakonie statt. Außerdem erfolgte durchgängig eine kontinuierliche, zumindest wöchentliche Unterstützung durch eine externe Betreuung.“
Auf die Diakonie Düsseldorf ist das Jugendamt nach Angaben von Adolf-Leopold Krebs zugekommen, weil es zusätzlichen Hilfebedarf in der Pflegefamilie gegeben habe. Laut Krebs war der Sozialarbeiter in der Regel „im vierwöchentlichen Turnus“ in der Familie. Zuletzt Anfang Juli. Dabei habe es nie Hinweise auf Misshandlungen oder Gewalt gegeben. „Es ist niemandem etwas aufgefallen. Wir stehen alle vor einem Rätsel.“ Krebs sprach aber auch von einer „schwierigen“ und „komplexen“ Situation und bezog das auf die Autoaggressivität des Kindes und seine Wasserphobie.
Wie berichtet, werden den Pflegeeltern mehrfache Misshandlung von Schutzbefohlenen sowie Körperverletzung und Freiheitsberaubung mit Todesfolge vorgeworfen. Die 51-Jährigen sitzen in Haft. Der Pflegevater hat ausgesagt, das Kind beim Baden unter Wasser gedrückt zu haben. Anna ist ertrunken.
Die Rolle der Jugendämter Bad Honnef und Königswinter ist weiter ungeklärt. Gegen sie ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung.
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