Von Ulrich Tondar, 31.07.10, 07:03h
Eine gefährliche Zeit der Anarchie
In einer schlichten Gedenkstunde unter großer Anteilnahme der Bevölkerung erinnerte Gerd Streichardt, der Vorsitzende des Heimat- und Geschichtsvereins, an das damalige Geschehen. Er beschrieb die Lebensverhältnisse der Menschen in der Nachkriegszeit, als zwar die Bevölkerung von der Herrschaft der Nationalsozialisten befreit und die kriegerischen Auseinandersetzungen beendet waren, die staatliche Ordnung und die kommunalen Dienste aber noch nicht wieder funktionierten. Eine gefährliche Zeit für alle Frauen und Männer, die zu Fuß unterwegs und jederzeit von marodierenden Banden bedroht waren.
In den Dörfern des Aggertals, aber auch in anderen Teilen des damaligen Siegkreises, bildeten sich Bürgerwehren, um das eigene Hab und Gut zu sichern. Vieles spricht dafür, so Streichardt, dass eine Gruppe ehemaliger Zwangsarbeiter aus Polen und Russland die drei Arbeiter überfallen hat, Belege dafür gibt es aber nicht. Auch eine Durchsicht der bei der Staatsanwaltschaft in Bonn noch vorhandenen Akten habe keine Klarheit gebracht.
Die ehemaligen Zwangsarbeiter seien unmittelbar nach Kriegsende in einer „äußerst schwierigen Situation“ gewesen, beschreibt der Vereinsvorsitzende die damalige Lage. Die bis zum Kriegsende bestehende Verpflichtung zur Zwangsarbeit bestand nicht mehr. Ihre neue Freiheit war aber mit anderen Unannehmlichkeiten verbunden: Sie hatten kein Dach mehr über dem Kopf und nichts mehr zu essen. In ihrer Heimat wurden sie als Kollaborateure mit den Deutschen verdächtigt und viele dafür schwer bestraft. Aber warum sie gerade die drei Männer Ende Juli 1945 überfallen und ermordet haben sollen, dafür gibt es keine plausible Erklärung. Denn die Lohmarer Bürgerschaft stand den Zwangsarbeitern grundsätzlich wohlwollend gegenüber. Trotz des ausdrücklichen Gebots der Nazis, ihnen nichts zu essen zu geben, legten die Einheimischen den Fremden immer wieder heimlich in Papier verpackte Butterbrote auf die Zäune entlang ihrer Wege.
Zeitzeugen sorgten für ergreifende MomenteDiese Ereignisse vor dem Gedenkkreuz durch die Ansprache von Gerd Streicharadt und in den Gesprächen mit Zeitzeugen sowie Angehörigen der drei Opfer in Erinnerung gerufen. Ergreifend war die Situation, als die 82-jährige Käthe Eschbach zum Gedenken an ihren vor 65 Jahren ermordeten Vater Martin Eschbach einen Blumenstrauß am Kreuz niederlegte. Als Zeitzeugen berichteten Josef Breuch, der auch das Eichenholz für die Gedenkstätte gestiftet hat, und Josef Klug, wie sie bei der Bergung der drei Toten mitgeholfen haben. Hannelore Lemmer, die Tochter von Jakob Rassmes, dankte mit bewegten Worten dem Heimat- und Geschichtsverein für seine Initiative und insbesondere dafür, dass er das Schicksal ihres Vaters und seiner beiden Arbeitskollegen vor der Vergessenheit bewahrt hat.
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