Von Anne Richter, 31.07.10, 07:03h
Diese hatte sich schon früh herauskristallisiert. Während früher ihre Mutter für das Backen zuständig war, wurden Kuchen und Torten mit der Zeit zum besonderen Refugium von Gerda Volkmann. Ihre Mutter verlegte sich stattdessen aufs Kochen. „Für mich selber backe ich aber fast nie, meist wünschen sich die anderen deshalb auch, welche Torte es geben soll“, stellt sie fest. Allerdings gilt: „Kuchen ohne Schnaps ist nicht so meins.“ Da aber mittlerweile die Enkelkinder mit an der Kaffeetafel sitzen, werden natürlich Ausnahmen gemacht. Die kleine Isabelle isst etwa am liebsten Omas Erdbeerkuchen.
Ehemann Erwin, seines Zeichens begeisterter Kuchenesser, freut sich über die Künste seiner Frau. Ob es schmeckt? „Sieht man doch“, grinst er irgendwo zwischen Tortenstück zwei und drei. Die einzige, die trotz 40 Jahren Backerfahrung immer noch zweifelt, ist Gerda Volkmann. „Mutter hat immer Sorge, dass es nicht schmeckt oder zu wenig ist“, verrät Tochter Ruth.
Dabei ist eigentlich nie wirklich etwas schief gegangen, selbst dreistöckige Buttercremetorten mit Marzipanverzierung hat Volkmann schon gezaubert, etwa zu Ruths Hochzeit. Und weil die Tochter wegen der Buttercreme ihre eigene Hochzeitstorte nicht mochte, hat die Mama ihr eigens noch einen anderen Kuchen mit Himbeeren dazugebacken.
Die "Pisa-Torte" schmeckte dann dochGut, es gab diese Einzelfälle mit Salz statt Zucker im Kuchenteig. Ja, und die Sache mit der Erstkommunion, die Volkmann bis heute nicht vergessen hat. Damals, 1982, hieß es das erste Mal: „Das Kind geht mit“ - sprich, die älteste Tochter Ruth war Kommunionkind. Da musste natürlich für die zahlreichen Gäste jede Menge auf der Kaffeetafel geboten werden. Wie üblich sprach Volkmann mit Verwandten und Nachbarn und wurde von Frau Sikora mit einem heißen Tipp bedacht: „Obstsalat-Sahne-Torte. Die musst Du machen, das schmeckt gut“, so die Worte der Nachbarin. Gesagt, getan.
Volkmann bereitete also den Boden vor, rührte die Erdbeersahne mit dem guten Schuss Cognac an und verteilte einen Berg Früchte auf der obersten Schicht. Ab in den Kühlschrank und weiter mit den anderen Torten, die noch vorbereitet werden wollten. Etwas entsetzt war sie dann allerdings, als sie am nächsten Tag - dem großen Tag der Kommunion - die Kühlschranktür wieder öffnete.
Der obere Teil der Torte hatte sich selbstständig gemacht, war zur Seite abgerutscht und drohte, sich im ganzen Kühlschrank zu verteilen. „Das Werk erinnerte stark an den schiefen Turm von Pisa. Das konnte ich so keinem anbieten“, erinnert sie sich mit Schrecken. Da sie aber natürlich genug Auswahl an Kuchen vorbereitet hatte, fiel der Verlust nicht weiter ins Gewicht.
Erst am nächsten Tag - Teil zwei der Feierlichkeiten, natürlich wieder mit großer Kaffeetafel - erinnerte sie sich an das „hässliche Entlein“ in der Kühlung. „Ich habe den Gästen erzählt, was passiert war. Die haben nur gesagt 'zeig mal'. Dann wollten sie probieren. Und am Ende war die Torte bis auf den letzten Krümel verputzt“, lacht Volkmann. Für eine Kommunion hat sie die Obstsalat-Sahne-Torte dann aber nie wieder gebacken.
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