Von Dieter Brockschnieder und Philipp Schumacher, 30.07.10, 22:55h
Der Verdächtige hatte am Donnerstagmittag besonders in der Bonner City für große Aufregung gesorgt. Innerhalb von zweieinhalb Stunden brannte es im Kaufhaus Strauss Innovation in der Sürst und im Jeansladen „New Yorker“ in der Remigiusstraße; es entstand erheblicher Sachschaden, sechs Menschen wurden leicht verletzt. Die beiden Brandorte waren auch gestern noch beschlagnahmt, weil noch polizeiliche Untersuchungen laufen.
Indizienkette führte zum mutmaßlichen TäterWulf Klinge, der Chef der Wache GABI im Bonner Hauptbahnhof, berichtete, das Feuer bei Strauss sei „in höchstem Maße gefährlich“ gewesen. Das Gebäude zieht sich bis zur Gangolfstraße und ist sehr verwinkelt. Wäre die Feuerwehr nicht innerhalb von fünf Minuten am Brandort gewesen . . . - nicht auszumalen, was geschehen wäre. Feuerwehrmann Albert Lehmann sagte, durch den giftigen Qualm habe sich eine Passantin in der benachbarten Poststraße eine Rauchgasvergiftung zugezogen.
Der Brandstifter hatte sich offenbar bei dem Feuer bei Strauss selbst verletzt. Denn anschließend fragte er in einem Geschäft nach einem Pflaster und zeigte dabei eine Brandwunde an einer Hand vor - die erste Spur. Unterdessen machte auf dem Münsterplatz, wo Feuerwehr und Polizei massive Kräfte zusammengezogen und die Feuerwehr eine mobile Wache eingerichtet hatte, die Meldung die Runde, am Tag zuvor habe es kurz nacheinander zwei Brände in Lohmar gegeben, beim Aldi und in einem Edeka-Markt - die zweite Spur. Die Ermittler des Kriminalkommissariats 11 der Bonner Polizei vermuteten einen Zusammenhang und ließen sich Videobänder aus einem Lohmarer Geschäft geben, in dem der Verdächtige gefilmt worden war. Ein Mitarbeiter von Strauss erkannte ihn wieder - die dritte Spur.
Nachdem eine Richterin am Abend entschieden hatte, dass ein Foto aus dem Film zur Fahndung veröffentlicht werden darf, stellten es örtliche Medien, auch die Rundschau, ins Internet, der WDR sendete es in der „Lokalzeit“. Kurz darauf gingen bei der Polizei 20 Hinweise aus der Bevölkerung ein, einige Anrufer nannten sogar den Namen des Mannes - die vierte Spur.
Gegen 23 Uhr nahmen ihn Fahnder in der Wohnung von Bekannten in Hennef-Bröl widerstandslos fest und brachten ihn ins Polizeigewahrsam. Er wurde gestern von einer Ermittlungsgruppe unter der Leitung von Kriminalhauptkommissar Frank Sothmann vernommen. Die Bonner bearbeiten auch die beiden Fälle aus Lohmar.
Umfangreiches VorstrafenregisterNach Angaben der Polizei ist der 43-Jährige wegen Eigentums- und Drogendelikten polizeibekannt, das Amtsgericht Siegburg suchte ihn mit einem Haftbefehl wegen Diebstahlsverdachts. Geprüft wird auch, ob er verantwortlich ist für einen Brand am Mittwochnachmittag in einem Lebensmittelgeschäft in Endenich. „Die Ermittlungen zum Motiv und zu den Hintergründen der Taten dauern an“, sagte Polizeisprecherin Daniela Lindemann.
Die Geschäftsleute in der Bonner City sind erleichtert über die schnelle Festnahme des mutmaßlichen Täters. Die Mitarbeiter der Boutique Butlers auf der Bonngasse waren in Hab-Acht-Stellung, nachdem die Polizei über die Brandfälle informiert hatte. „Jetzt sind wir froh, dass es einen Tatverdächtigen gibt“, sagte Filialleiter Rohit Shikarpuri. Er fühlte sich von der Polizei ebenso gut informiert wie Hendrina Behnke, Mitarbeiterin im Möbelgeschäft Wohnphilosophie auf der Friedrichstraße. Dennoch hatte Behnke sich am Donnerstagnachmittag dazu entschlossen, den Laden vorzeitig zu schließen. „Streifenpolizisten zogen noch am Abend durch die Straßen. Da fühlten wir uns schon deutlich wohler“, berichtete die Verkäuferin.
„Für Ladenbesitzer ist ein Feuerteufel wirklich der worst case“, erklärte Gerhard Schmalholz. Nach Ansicht des Geschäftsführers des Modegeschäfts Sinn Leffers, das nur wenige Meter neben der teilweise abgebrannten „New Yorker“-Filiale liegt, liefen die Rettungsmaßnahmen gut ineinander. Sinn Leffers musste zwar den Haupteingang während des Einsatzes schließen, konnte den Geschäftsbetrieb über den Ausgang gegenüber der Universität aufrechterhalten.
"Eine wahre Feuerhölle"Sowohl die Filiale von Strauss Innovation in der Sürth als auch die von „New Yorker“ in der Remigiusstraße blieben gestern geschlossen. Bei Strauss hat „eine wahre Feuerhölle gewütet“, sagte die zuständige Pressesprecherin, Franca Leukroth gegenüber der Rundschau. Frühestens nächste Woche könnte Strauss genauere Angaben über die Schadenshöhe machen. „Wegen Brandschadens geschlossen“, steht auf einem Schild an der Eingangstür. Umsichtig und schnell konnten Mitarbeiter das Geschäft räumen. Es gab keine Sprinkleranlage, die das Feuer hätte eindämmen können. Nach einer vom Land erlassenen Sonderbauverordnung muss eine solche Anlage erst ab drei Geschossen oder einer Fläche von 1.500 Quadratmetern pro Etage oder einer zusammengerechneten Verkaufsfläche von 3.000 Quadratmetern installiert sein. Nach Auskunft einer Stadtsprecherin fiel die Strauss-Filiale nicht in dieses Raster.
Bei „New Yorker“ hieß es, möglicherweise könne die Filiale in den nächsten Tagen wieder öffnen. Die Mitarbeiter wischten mit Mundschutz in den vom Feuer verschonten Etagen (Erdgeschoss und erster Stock) die Wände. Die Ware dort sei durch die Sprinkleranlage nass geworden und zum größten Teil nicht mehr zu gebrauchen. Im zweiten Stock mit der Herrenware sind sämtliche Kleidungsstücke wie Jeans verbrannt.
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