Von Katharina Hamacher, 30.07.10, 22:19h
Wissen über die Natur anschaulich, witzig, kindgerecht und einprägsam zu vermitteln, das ist das Erfolgsgeheimnis des 61-Jährigen. Seit 1985 hat der bärtige Mann mit der tiefen Stimme geschätzte 150 000 Kinder aus über 100 Grundschulen mit der Welt des Waldes und seiner Bewohner vertraut gemacht, zum 31. Juli geht er in den Vorruhestand. „25 Jahre reichen“, sagt Kolvenbach bestimmt.
Die Position als Einzelkämpfer, wie er selbst sagt, hat sehr an den Kräften gezehrt. „Die Wartezeit für einen Tag in der Waldschule beträgt zwei Jahre, insgesamt musste ich mehr als zwei Drittel der angefragten Termine ablehnen“, erklärt der Gymnasiallehrer mit Montessori-Diplom. Vor 25 Jahren hat die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald die Schule als Initiative gegen das Waldsterben gegründet, um Kinder für die Natur zu sensibilisieren. „Fünf bis zehn Prozent der Grundschüler waren noch nie im Wald“, weiß Kolvenbach aus Erfahrung. „Sobald sie sich aber an die Umgebung gewöhnt haben, blühen sie auf und bekommen ganz leuchtende Augen.“
Der Waldkauz sitzt ModellDie Wanderung durch den Wald ist die wichtigste Unterrichtseinheit für den Biologen und Geographen, dicht gefolgt von der Begegnung mit so genannten „Ekel-Tieren“, um die natürliche Abscheu abzubauen. Wie alles im erlebnisorientierten Unterricht von Kolvenbach ist auch das Kennenlernen der unterschiedlichen Bäume ein kreativer Prozess. Die Schüler sammeln Blätter, Früchte und Blüten, reiben die Rindenstruktur mit Papier und Bleistift ab und fertigen Gipsabdrücke an. „Wenn die Kinder am Ende alles zu einem Steckbrief zusammentragen, ist das auch wirklich ,ihr' Baum.“ Das Begreifen mit allen Sinnen ist dem Waldschullehrer wichtig, deshalb werden nach der obligatorischen Unterrichtseinheit in der Greifvogelstation die Grundprinzipien der Tiere in Ton umgesetzt. Dabei sitzt Kolvenbachs Lieblingshelfer, Waldkauzmännchen Carl, stets geduldig Modell. „Immer wenn ich meine Toneule angucke, denke ich an dich und die Waldschule“, schreibt Lilli in ihrem Brief, und Paula findet es „sehr schade“, dass „Herbie“ geht, und dankt ihm für die tolle Zeit in der Waldschule.
Oft schallten die „Herbie“-Rufe über den Parkplatz, wenn die Kinder aus dem Bus gesprungen und ihrem Lieblingslehrer entgegengelaufen sind. „Das waren besondere Momente“, blickt der 61-Jährige lächelnd zurück. Viele Begegnungen haben ihn beeindruckt, aber ein kleiner Junge ist Kolvenbach besonders gut im Gedächtnis geblieben. „Ich wusste gar nicht, dass man im Wald so viel erleben kann“, hatte er vor einigen Jahren mit ganz großen Augen zu seinem Lehrer gesagt.
Vorfreude auf den SommerurlaubTrotz der schönen Erinnerungen ist Kolvenbach sicher, dass der vorzeitige Ruhestand die richtige Entscheidung ist. Er freut sich schon auf ausgiebige Touren mit seinem brandneuen Cabrio und darauf, mit seiner Frau „zum ersten Mal seit 25 Jahren außerhalb der Schulferien in Urlaub zu fahren.“ Fürs Erste übernimmt sein Kollege Frank Küchenhoff die Nachfolge in der Schule, die die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald finanziert. Da der Pädagoge aber von der Stadt bezahlt wird, steht die Zukunft in den Sternen.
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