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Mordprozess um getötete 16-Jährige

Kinder gingen kaum zur Schule

Von Daniel Taab, 30.07.10, 22:19h

Der 33-jährige Mann, der eine 16-jährige Jugendliche aus Vingst ermordet und an der A61 abgelegt haben soll, steht vor Gericht. Dort kamen auch die familiären Hintergründe des Opfers zur Sprache. Das Leben mit ihrer Mutter war von Spannungen geprägt.

Köln - Die Mutter kämpft mit den Tränen, als die zuständige Mitarbeiterin des Jugendamtes detailliert über die Vorgänge in der sozial schwachen Familie berichtete. Die Rede ist von Überschuldung, Mietrückständen und dramatischen Schulfehlzeiten der Kinder der Familie B. aus Vingst. Es war die Familie der getöteten 16-jährigen Kölnerin, die laut Anklage von ihrem 33 Jahre alten Nachbarn umgebracht wurde.

In ihrer Zeugenaussage zeichnete die Jugendamtsmitarbeiterin allerdings kein vernichtendes Bild von der Familie. „Es war manchmal nicht aufgeräumt. Schmutzig war es nicht, es war kein Ungeziefer zu sehen“, sagte die Frau. Die Zeugin deutete an, dass sie schon in wesentlich schmutzigeren Wohnungen war. Von einer Verwahrlosung der Kinder in der Familie B. könne keine Rede sein. Allerdings muss das Zusammenleben innerhalb der Familie überhaupt nicht funktioniert haben. Das Jugendamt rief ein so genanntes „Kriseninterventionsteam“ ins Leben. Wenn nichts mehr gehe, werde dieses Projekt durchgeführt. Über sechs Wochen betreuten zwei Experten des Jugendamtes fast rund um die Uhr die Familie. Mittlerweile habe sich der Zustand der Familie „stabilisiert“.

Ständige Schlägereien mit der Mutter

Die Frau vom Jugendamt beschrieb die getötete 16-Jährige als ein gefühlsmäßig zerrissenes Mädchen. „Sie liebte ihre Mutter. Aber sie konnte nicht mit ihr und nicht ohne sie“, betonte die Zeugin. Nicht nur einmal soll es zwischen der 16-Jährigen und der Mutter „körperliche Auseinandersetzungen“ gegeben haben, wie es hieß. Da wurde die Mutter in einem Fall gegen die Badewanne geschubst und erlitt Hämatome.

Wenige Monate vor ihrem Tod habe sich die 16-Jährige dann stark verändert. „Wir kamen nicht mehr an sie heran“, so die Mitarbeiterin des Amtes. Die junge Frau wurde zusehends aggressiver, auch gegenüber ihren Geschwistern. Es wurde vom Jugendamt nach längeren Überlegungen angeregt, die 16-Jährige in einer geschlossenen Kinder- und Jugendpsychiatrie unterzubringen. Doch dazu kam es nicht: Ein entsprechender Antrag des Jugendamtes wurde versehentlich im Amtsgericht einer falschen Akte zugeordnet. Die Panne wurde zur Überraschung von Prozessbesuchern bei der Befragung der Zeugin weder von der Staatsanwältin noch vom Vorsitzenden Richter angesprochen.

Der Angeklagte ertrug den Bericht des Jugendamtes ohne jegliche Regung. Wie versteinert schaute der 33-Jährige auf den Fußboden. Wie berichtet, soll der Beschuldigte die 16-Jährige im Herbst 2009 in einer Wohnung in Kalk umgebracht, sich an ihr vergangen und anschließend in Niederzissen (Rheinland-Pfalz) an der A 61 abgelegt haben. Passanten fanden die Leiche.



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