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Gay Games

Wange an Wange durch den Ballsaal

Von Christian Deppe, 04.08.10, 07:00h, aktualisiert 06.08.10, 17:54h

Seine erste Tanzpartnerin wurde seine Frau, doch auf Dauer hat das nicht funktioniert. „Als wir nicht mehr miteinander getanzt haben, stellten wir fest, dass uns nun gar nichts mehr verbindet“, erinnert sich Vitus Schmitz.

Tanzturnier
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Wissen sich auf dem Tanzparkett zu bewegen: Vitus Schmitz (vorne l.) und Kevin Gardner holten bereits Silber. (Bild: Meisenberg)
Tanzturnier
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Wissen sich auf dem Tanzparkett zu bewegen: Vitus Schmitz (vorne l.) und Kevin Gardner holten bereits Silber. (Bild: Meisenberg)
Köln - Von seinen Tanzschuhen hat er sich nicht getrennt. In diesen Tagen schwebt der 57-Jährige im „Maritim“ übers Parkett - nun mit Kevin Gardner (58) an seiner Seite. Und das harmoniert so gut, dass sie im Tanzwettbewerb der Gay Games bereits eine Silbermedaille geholt haben - dabei kennen sich der Kölner und der Australier erst seit kurzem.

Beide wollten an den Spielen teilnehmen - beiden fehlte der Tanzpartner. Sie haben sich im Internet auf der „Sportlerbörse“ der Gay Games gefunden - und einander Videoclips mit Schrittfolgen zugemailt. „Ein guter Tänzer kann mit jedem auf der ganzen Welt tanzen“, sagt Sue Cipolla. Die 54-jährige Tänzerin aus Sacramento hatte das gleiche Problem und hat ebenfalls am anderen Ende der Welt mit Eleanor Keller (60) aus Sidney offenbar die richtige Partnerin gefunden - das Paar beeindruckte die Juroren zu lateinamerikanischen Rhythmen und wurde mit Bronze belohnt.

Das Turnier im Ballsaal, das der Tanz- und Turnier-Club Rot-Gold organisiert, ist an festlicher Eleganz kaum zu überbieten. Schon die Garderobe der Sportler ist eine Show - Kleider aus Samt und Seide mit Strass und glitzernden Pailletten, mancher Mann und vielmanche Frau tragen Frack. Dennoch gibt es hier keine Damen- oder Herrenschritte - die Paare sprechen lieber von einem, der führt, und einem, der folgt. „Und Vitus führt sehr gut“, lobt Kevin. Auch Sue Cipolla gibt gern die Richtung vor. Als sie am Sonntagabend im Festzelt auf dem Neumarkt ein schwules Paar entdeckte, das wunderbar tanzen konnte, hat sie einfach Damenwahl ausgerufen. „Ich tanze ja nicht nur mit Frauen, allerdings mit Frauen am liebsten“, sagt die US-Amerikanerin. Die Zuschauer auf dem Neumarkt haben die Einlage übrigens mit Beifall belohnt.

„Tänzer sind generell eine angenehme Gesellschaft“, sagt Gardner. Zum Tanz geführt habe ihn jedoch vor allem die Freude daran, sich zu Rhythmus und Musik zu bewegen - „für mich ist das die Essenz des Lebens“, schwärmt er. „Wenn ich Musik höre, kann ich gar nicht anders als zu tanzen“, ergänzt Eleanor Keller. Und die Liebe zum Tanz kennt kein Alter - der Jüngste der 520 Teilnehmer des „Gay Games“-Turniers ist Jahrgang 1989, die älteste Teilnehmerin 73. „Es ist ein großartiges Gefühl, wenn es dir gelingt, die Schrittfolge völlig fehlerfrei umzusetzen“, berichtet Cipolla. „Das wird nur noch übertroffen von dem Gefühl, wenn du dir dafür auch noch eine Medaille abholen darfst.“

Zum Abschluss des Turniers messen sich auch gemischte Paare auf dem Parkett. Auch Kevin Gardner wird dabei sein - dann Hand in Hand mit Eleanor Keller. Tanzen verbindet.



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