Von Ulrike Schödel, 05.08.10, 07:00h
Zwischen Sommer 2009 und Februar 2010 sollen die Beschuldigten auf Beutezüge gegangen sein. Laut Anklage sollen sie Passanten bedroht, Geld und Handys geraubt und dabei Angst und Schrecken verbreitet haben. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft hätten sich Kinder und Jugendliche zuweilen nicht mehr ohne ihre Eltern auf die Straßen getraut. Erst als im Frühjahr zahlreiche Mitglieder dieser Bande verhaftet worden seien, sei wieder Ruhe eingekehrt. Gestern legten die fünf jungen Männer Geständnisse ab - allerdings „ohne den Mut, die ganze Wahrheit“ zu sagen, wie der Vorsitzende Richter betonte. Die so genannte Handy-Abzocke habe an erster Stelle gestanden, erklärte ein Angeklagter. Es sei „die schnellste Methode“ gewesen, an Geld zu kommen.
Das Geld, so die Angeklagten, hätten sie in Spielautomaten geworfen oder für Zigaretten und Haschisch ausgegeben. Die Überfälle seien nach Beschreibung der Angeklagten immer nach dem selben Muster abgelaufen: Die Bande sei in wechselnden Besetzungen losgezogen, habe sich ein Opfer gesucht, das umzingelt worden sei. Einer aus der Gruppe habe den „Obermacker“ gespielt: „Gib mal dein Handy, ich muss telefonieren.“ Das Telefon habe er genommen und gleich weitergegeben.
Auch vor einem behinderten Jungen hätten sie nicht Halt gemacht, bestätigten die Angeklagten den Vorwurf der Staatsanwaltschaft. „Plötzlich sagte einer: ,Wir ziehen dich ab - natürlich nur zum Spaß.“ Doch weil der Junge Angst bekommen habe, habe man, so die Angeklagten, ernstgemacht.
Der Junge sei mit Messer und Schraubenzieher bedroht worden und seiner Playstation mit acht Spielen im Gesamtwert von 800 Euro beraubt worden. Der Prozess wird fortgesetzt.
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