Von Claus Boelen-Theile und Miriam Zähl, 04.08.10, 23:55h
Eben hat uns Bärbel Bosbach vom i-Punkt Altenberg im Dom-Lädchen zwei GPS-Geräte in die Hand gedrückt. Für die digitale Schatzsuche: Die Koordinaten des Schatzes sind hier voreingestellt, man muss also nur noch losstiefeln, suchen und finden. Geocaching für Dummies sozusagen. Aber für blutige Anfänger, wie wir es sind, eine ideale Sache. „Der Kirchweg“ lautet unser Ziel, ziemlich geheimnisvoll. Der Freizeitspaß Geocaching ist der „Renner der Saison“, berichtet die Tourismus-Expertin. Sechs Suchgeräte werden im i-Punkt bereitgehalten, fünf Euro kostet die Leihgebühr am Tag. Wegen der großen Nachfrage sollen bald vier weitere Geräte angeschafft werden.
Wo ist bloß das Hinweisschild?
Der Blick ist auf die Anzeige gerichtet. 750, 749, 748 Meter. Und in nordöstliche Richtung halten, wie es der Pfeil anzeigt. Der Wanderweg unterquert am Martin-Luther-Haus die Landstraße, es geht am Parkplatz vorbei zum Altenberger Friedhof. Die Richtung stimmt. 300 Meter nur noch. Das ging ja schnell. Und jetzt? Der Wanderweg geht geradeaus weiter zum Sportplatz, der Pfeil auf dem GPS-Gerät weist aber nach rechts. In den Wald. Blöd nur, dass da gar kein Weg ist. Das ist der Normalfall beim Geocaching: überlegen, zurückgehen, ausprobieren. Auf breiten Wanderwegen geht es meistens nicht zum Schatz. Fünf Minuten Rückweg zum Friedhof, dann entscheiden wir uns, den kleinen Weg am Friedhofzaun zu erklimmen. Es geht steil bergauf, aus dem Weg wird ein Pfad, aus dem Pfad ein schmaler Hohlweg. Aber die Entfernung wird geringer. Nur noch 250 Meter. Also sind wir richtig. Es geht aufwärts in den Hang und wieder abwärts, der bergische Nieselregen kann uns so kurz vorm Ziel nicht abhalten. Etwa 20 Minuten geht das so, die Entfernung bleibt konstant bei 200 Metern. Kurz vor dem Ortsteil Erberich sind es auf einmal nur noch 100 Meter. Wir sind dicht dran. Dann geht alles sehr schnell, die Entfernung reduziert sich auf 10 Meter. Also stopp. Eine kleine Fichtenschonung am Wegesrand: Da muss der Schatz irgendwo liegen. Bloß wo? Unter einem großen Stein? Nein. Hinter der großen Fichte da? Auch nichts. Vergraben? Mist, dafür hätten wir eine Schaufel mitnehmen müssen. Da hilft nur nachdenken.
Mit dem GPS-Gerät in der Hand geht es durchs Unterholz, wir durchpflügen den bergischen Laubwald. Auf einmal: 0,34 Meter in der Anzeige. Wir müssten eigentlich direkt auf dem Versteck stehen. Aber da ist nichts, nur nasses Laub. Offenbar sind im Zielbereich immer ein paar Meter Messdifferenz, die die Schatzsucher einkalkulieren müssen. Es regnet stärker, die Anzeige im Blick geht es hin und her im „Zielgebiet“. Jetzt würde ein Hinweisschild: „Achtung, hier ist der Schatz“ helfen. Aufgeben? So kurz vorm Ziel?
Ein Plastikfigürchen als Lohn der SucheEtwa eine halbe Stunde lang prüfen wir jeden Baum und jeden Ast - vergeblich. „Hast Du schon unter diesem Baumstumpf nachgeschaut?“, schlägt dann BLZ-Bildredakteur Klaus Daub vor. Ja, aber offenbar nicht richtig. Denn unter Laub und Ästen versteckt liegt tatsächlich der Schatz. Eine unscheinbare Frischhaltebox ist unser Ziel. Jaja, jetzt haben wir's. Ganz schön knifflig. Deckel aufgemacht und reingeschaut. Allerhand Überraschungs-Ei-Figuren, Sammelbilder der WM-Fußballer, eine Packung Taschentücher. Auch Stempel und Logbuch liegen in der Box. Das ist wichtig: Mit dem Stempel füllen wir unsere Sammelkarte aus, die wir im i-Punkt bekommen haben. Das Logbuch ist der Beweis für die Nachwelt, dass wir tatsächlich hier gewesen sind. „22. Juli: leicht gefunden“, haben da unsere Vorgänger eingetragen. Die BLZ trägt einen Gruß für nachfolgende Geocacher ein und klappt das Büchlein wieder zu. Ein kleines blaues Spielzeugauto legen wir zu den Schätzen, als Tausch nehmen wir ein Plastikfigürchen mit.
Deckel zu, das war's. Der Schatz ist gehoben. Und zurück mit der Kiste ins Versteck.
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