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280 Millionen

Bühnen-Sanierung geht ins Geld

Von Hartmut Wilmes, 15.08.10, 20:54h

Grünen-Fraktionschefin Barbara Moritz hat das Ergebnis der städtischen Machbarkeitsstudie zur Sanierung von Oper und Schauspiel als inakzeptabel gewertet. Die Gesamtkosten würden dem Papier nach 280 Millionen Euro betragen.

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Zu teuer: Die geschätzten Sanierungskosten liegen erschreckend nah an den abgelehnten Neubaukosten.
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Zu teuer: Die geschätzten Sanierungskosten liegen erschreckend nah an den abgelehnten Neubaukosten.
KÖLN - „280 Millionen sind nicht akzeptabel.“ So wertet Grünen-Fraktionschefin Barbara Moritz das Ergebnis der städtischen Machbarkeitsstudie zur Sanierung von Oper und Schauspiel. Das Papier beziffert die reinen Baukosten für beide Häuser plus Opernterrassen auf 253 Millionen (siehe „Fakten“) und kommt mit Zusatzkosten auf 280,6 Millionen Euro. Damit liegt man nah an den gedeckelten Kosten für die abgelehnte Neubau-Version (295 Millionen).

Noch muss die faire Vergleichbarkeit der Summen überprüft werden, aber eins steht fest: Die Schätzungen der per Bürgerbegehren erfolgreichen Initiative „Mut zu Kultur“ waren deutlich zu optimistisch. Sprecher Jörg Jung hatte wiederholt behauptet, beide Häuser ließen sich für 180 bis 200 Millionen Euro sanieren. Die jetzigen Zahlen seien, so Jung „durchaus ein Schock“, allerdings sei die jetzt geprüfte, von der Schauspielintendantin entwickelte „Beier-Variante“ dem Neubau funktional überlegen. Kulturdezernent Georg Quander bezweifelt das energisch: „Wir liegen jetzt mit der Sanierung in der gleichen Kostendimension wie der Neubau, bekommen aber deutlich weniger.“ Vor allem für die Oper verbessere sich außer der Technik kaum etwas.

Deren Intendant Uwe Eric Laufenberg sieht das Ergebnis „als Katastrophe“. Schließlich sind auch die Zeitschätzungen von „Mut zu Kultur“ widerlegt: Vor 2015 ist nach neustem Stand nicht mit der Wiedereröffnung der Theater zu rechnen. Quander meint: „Man kann der Oper nicht fünf Jahre Wanderzirkus zumuten.“

Jörg Jung sieht mit dieser Verzögerung „unser schlimmstes Szenario“ eintreten. Er erklärt aber, dass diese von einem unabhängigen Theaterplaner und beauftragten Ingenieurbüros ermittelten Summen nach oben wie unten noch um 30 Prozent schwanken könnten. „Wir finden sicher auch Bereiche, die billiger werden können. Aber man darf auf keinen Fall an den technischen Notwendigkeiten der Bühnen sparen.“ Man werde die gravierende Teuerung exakt prüfen, „aber der größte Posten resultiert aus der 50 Jahre lang unterlassenen Bauunterhaltung“.

Für Barbara Moritz, deren Fraktion dem Bürgerbegehren beigetreten war, kommen die neuen Zahlen „nicht völlig überraschend“, sie fühle sich aber nicht ins Unrecht gesetzt. „Man muss angesichts der Haushaltslage genau über Probebühnen, Werkstätten und Lagerflächen nachdenken, schauen, ob man alles gleichzeitig realisieren muss oder Standards senken kann.“

SPD-Fraktionschef Martin Börschel konstatiert, dass zwei zentrale Argumente von „Mut zu Kultur“, „nämlich die einer deutlich preiswerteren und schnelleren Lösung“ widerlegt seien. „Genau diese Sorge ist in der Ratsdebatte artikuliert worden.“ Nun müsse die Verwaltung „dringend Zahlen, Daten Fakten liefern, wobei die Module der Sanierung beziffert sein sollten“. Eine modulare, zeitlich entzerrte Sanierung hält Börschel für diskutabel. „Wer aber glaubt, man könne mal eben einen Anstreicher mit ein paar Eimern Farbe durch die Häuser schicken, liegt sicherlich falsch.“ Für eine Notsanierung plädiert niemand. CDU-Fraktionsvize Karl-Jürgen Klipper: „Dann stehen wir in fünf bis acht Jahren wieder vor den gleichen Problemen - so kann man nicht mit Steuergeldern umgehen.“ Er habe schon im Rat gesagt, dass Neubau und Sanierung etwa gleich viel kosten werden. „Und ich glaube, dass wir sogar bei 300 bis 350 Millionen Euro landen werden.“

Notsanierung stößt auf Ablehnung

Dennoch dürfe der Rat nicht wieder die Richtung ändern. Ralph Elster, Kultursprecher der CDU, hofft, „dass man die Neubausumme mit intelligenten Einsparungen noch um 30 Millionen unterschreiten kann“. FDP-Fraktionschef Ralf Sterck erklärt: „Wir sind sehr enttäuscht, dass die Gegner der Neubauvariante so unsauber mit den Zahlen umgegangen sind. Schließlich haben sie den Rat auf ihre Fährte gelockt, was Preis und Dauer der Sanierung betraf.“ Auch Sterck glaubt, „dass das Ganze am Ende noch teurer wird. Aber jetzt umzuschwenken, wäre Wahnsinn. Wir waren ja auch vorher bereit, dieses Geld auszugeben“. Auch Jörg Jung hielte eine Notsanierung für „rausgeworfenes Geld“, und Moritz sagt: „Es muss eine funktionale Verbesserung für die Bühnen herauskommen.“

Der Verwaltung bleibt wenig Zeit, das umfangreiche Faktenwerk für die Politik entscheidungsreif aufzubereiten: Kulturdezernent Quander ist am Wochenende in den Urlaub aufgebrochen, Oberbürgermeister Jürgen Roters kehrt erst Ende der Woche nach Köln zurück. Am 31. August soll der Unterausschuss zum Thema tagen, und am 14. September soll der Rat beschließen.

Uwe Eric Laufenberg, der gegen Karin Beier für den Neubau plädiert hatte, spürt keine große Lust auf Einmischung mehr: „Verloren zu haben und dann Recht zu behalten - das ist das Schlimmste.“



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