Von Wendelin Sandkühler, 19.08.10, 07:06h
Eine Stunde später war er für seine Freunde ein „Held“. Denn der 20-Jährige aus Schildgen sprang einem Polizisten bei, der sich in höchster Not befand: „Als ich sah, wie der Randalierer den Polizisten auf den Boden warf, bin ich einfach über den Zaun gesprungen und habe geholfen.“
Der mutige Helfer soll geehrt werden
Zum Nachdenken sei ihm keine Zeit geblieben, als der Angreifer auf den Beamten losging. Der Polizist bedankte sich direkt bei Georg für die Hilfe. Gestern tat er trotz erheblicher Schrammen schon wieder Dienst.
Nur durch Georgs Hilfe sei Schlimmeres verhindert und der aus Polen stammende Angreifer, der dem Beamten sogar die Waffe habe abnehmen wollen, überwältigt worden, sagte Polizeisprecher Peter Raubuch. Er wollte sich dafür einsetzen, den „Freund-und-Helfer“-Helfer Georg für seine Zivilcourage offiziell zu ehren. Ob er sich eine solche Auszeichnung an die Wand hängen würde, weiß der aber noch nicht so recht. Je länger er darüber nachdenke, desto klarer werde ihm, dass er sich auch in ziemlich große Gefahr gebracht habe, sagt der ehemalige Footballspieler. „Was, wenn er bewaffnet gewesen wäre?“ Unberechenbar war der jedenfalls, erzählt Georg: „Er hat die ganze Zeit geflucht, wollte sogar beißen.“
Dabei war der Angreifer zunächst nur durch lautes Rufen auffällig geworden, hatte sich offensichtlich gestritten und dann Nachbarn angepöbelt. Als er schließlich über einen Grundstückszaun kletterte, wurde die Polizei gerufen. Die zwei jungen Beamten konnten den 27-Jährigen, der laut Augenzeugenberichten unter Drogeneinfluss gestanden haben soll, aber nicht überwältigen. Auch als schließlich - nach rund einer Stunde nächtlichem Handgemenge - sieben Beamte den Wüterich bändigen wollten, wehrte er sich noch. Schließlich wurde er - nur noch mit einer Hose bekleidet - per Spritze betäubt.
Damit ging für die Anwohner eine turbulente Nacht zu Ende. „Ich hatte wirklich Angst um die Polizisten“, sagte Dagmar Pawelka. Ihr Mann Roland hatte in der Nacht spontan das Gartentor für die nachrückenden Einsatzkräfte aufgeflext.
Der Krawallmacher ist laut Raubuch nicht aktenkundig. Vermutlich werde er in die geschlossene Psychiatrie eingewiesen, ein Haftbefehl sei unwahrscheinlich. Waren Drogen im Spiel? „Alles ist möglich, auf alle Fälle schien er keinen Schmerz zu spüren.“ Überwältigen konnte Georg den Wüterich auch dank seiner Football-Erfahrungen. Er habe ihn einfach „getackelt“, sagte der ehemalige Spieler der Gladbacher „Lions“, ihn also zu Fall gebracht - was „eine „gefühlte Dose Pfefferspray“ des Polizisten zuvor nicht vermocht hatte.
Die Polizei hätte nun vermutlich Interesse, Georg aber hat nach dem gerade beendeten Grundwehrdienst bereits einen Ausbildungsplatz als Einzelhandelsaufmann. Sein Traumberuf wäre aber Musiker. Mit einem Freund produziert er eigene Lieder, singt und rappt. Nicht über Zivilcourage oder Gewalt, sondern über die Liebe oder den Sommer.
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