Von Claudia Roberz, 27.08.10, 07:00h
„Wenn es einen begründeten Verdacht auf einen Schlaganfall gibt, heißt die Empfehlung immer, den Patienten auf die ,Stroke Unit' ins Marien-Hospital zu bringen. Auch wenn es sich um einen Patienten im Südkreis handelt, bei dem der Anfahrtsweg weiter ist“, sagt Chefarzt Dr. Hartmut Bauer, Leiter der Neurologie am Euskirchener Krankenhaus.
Dr. Gisela Neff, die Ärztliche Leiterin des Rettungsdienstes im Kreis Euskirchen, sieht dies allerdings etwas differenzierter (siehe Interview).
Auf der „Stroke Unit“ im Euskirchener Marien-Hospital, einer speziellen Schlaganfall-Abteilung der Neurologie, werden jährlich 600 Schlaganfall-Patienten oder Patienten mit Vorstufen des Schlaganfalls behandelt. Sechs Betten gibt es dort, jeder Platz ist mit intensivmedizinischen Überwachungsgeräten ausgestattet. Das Marien-Hospital in Euskirchen ist das einzige Krankenhaus im Kreis, das über eine spezielle Schlaganfall-Abteilung verfügt. „Die Betten für die ,Stroke Unit' wurden vom Gesundheitsministerium verteilt. Wir in Euskirchen haben sechs Betten zugewiesen bekommen“, erklärt der Chefarzt. Hier hat man sich auf die Behandlung der Schlaganfall-Patienten spezialisiert. „Schlaganfallpatienten, die in andere Krankenhäuser im Kreis gebracht wurden, haben natürlich die Möglichkeit, sich hierher verlegen zu lassen. Das wurde auch bei anderen neurologischen Erkrankungen schon so praktiziert. Etwas Vertragliches hierüber gibt es nicht“, sagt Dr. Bauer.
Um die Behandlung von Schlaganfallpatienten zu optimieren, haben jetzt die AOK Rheinland, das Marien-Hospital Euskirchen und die Eifelhöhen-Klinik Mamagen einen „Vertrag zur integrierten Versorgung für Menschen mit der Diagnose Schlaganfall“ abgeschlossen. „An den Schnittstellen Krankenhaus, Rehaklinik sowie Nachbetreuung durch den Hausarzt und den Neurologen gehen oft wichtige Daten verloren. Außerdem ist bekannt, dass gerade jüngere Menschen, die einen Schlaganfall erlitten haben, die Nachsorge vernachlässigen, sobald sie sich wieder gut fühlen. Das führt dann in manchen Fällen zu einen Re-Schlaganfall, der vermieden werden könnte“, erklärt Helmut Schneider, Regionaldirektor der AOK. Mit dem Vertrag zur integrierten Versorgung hat das Marien-Hospital, beziehungsweise die „Stroke Unit“, alle Fäden für die weitere Behandlung des Patienten in der Hand. Dominique Bach, Sozialarbeiterin am Marien-Hospital und „Fall-Managerin“ der „Stroke Unit“, macht von hier aus nicht nur den Termin für die Reha-Maßnahme in Marmagen klar. Sie legt auch die Nachsorge-Termine beim Hausarzt und Neurologen fest.
Dem von der AOK initiierten Vertrag haben sich mittlerweile auch die Krankenkassen Vereinigte IKK, die LKK sowie die KKH / Allianz angeschlossen, außerdem drei Neurologen (in Euskirchen, Mechernich und Schleiden). Nachteile für Patienten, die nicht einer dieser Krankenkassen angehören, entstehen jedoch nicht. Dr. Hartmut Bauer stellt klar: „Jeder Schlaganfallpatient erhält die bestmögliche Behandlung. An der integrierten Versorgung teilzunehmen, ist eine freiwillige Entscheidung des Patienten. Er kann sie auch jederzeit abbrechen.“
Möglich war der Vertrag über die integrierte Versorgung von Schlaganfallpatienten nur, weil das Euskirchener Marien-Hospital über die „Stroke Unit“ verfügt, eine zwingende Voraussetzung für die integrierte Versorgung. Die stationäre Behandlung dort dauert, je nach Schwere des Schlaganfalls, sieben bis 14 Tage. Schon am ersten Tag beginnen im Krankenhaus die ersten Reha-Maßnahmen. Danach geht es zur stationären Reha nach Marmagen. Hier übernimmt Chefarzt Dr. Franz-Josef Hintzen, Leiter der Fachabteilung Neurologie, den Patienten. Nach Beendigung der Reha-Maßnahme hat Dominique Bach bereits die Nachsorge-Termine für den Patienten gemacht. „Es gibt nach dem stationären Aufenthalt pro Quartal einen Nachsorge-Termin beim Hausarzt sowie im ersten und im vierten Quartal nach der stationären Behandlung einen Vorstellungstermin beim Neurologen. Diese Nachbehandlung ist eine hervorragende Ergänzung zur ,Stroke Unit“, so Dr. Bauer. Dr. Hintzen sieht zwei Vorteile: „Kritische Schnittstellen werden überbrückt und es gibt nach der Reha fachärztliche Nachbehandlung durch den Neurologen.“
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