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Bundestagsabgeordneter Kelber

„Aus für Festspielhaus ist ein Fehler“

Von Dieter Brockschnieder, 30.08.10, 07:03h

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Ulrich Kelber hält das „Aus für das Beethoven Festspielhaus für einen großen Fehler der Kommunalpolitik“. Das schreibt er im Rechenschaftsbericht, in dem er zurückblickt auf seine Arbeit als Bundestagsabgeordneter.

BONN - 39 Millionen Euro hatte der Bund für die Festspielhaus-Stiftung bereitgestellt - nach harten Verhandlungen, an denen Kelber, der CDU-Politiker Norbert Röttgen und die inzwischen verstorbene Sprecherin des Kulturrates, Karin Hempel-Soos, maßgeblich beteiligt waren. Die Millionen-Zusage Berlins gelte auch heute noch, sagt Kelber. Er hätte sich eine breite Bürgerbeteiligung in der Festspielhaus-Frage gewünscht: „Da hat Bonn was verpasst.“ Eine Stadt, die attraktiv bleiben wolle, müsse ein gutes kulturelles Angebot aufrechterhalten.

Kelber zog am 1. September 2000 als Nachrücker für Rudolf Dressler ins Parlament ein, danach gewann er dreimal direkt den Wahlkreis Bonn, bis dahin eine CDU-Domäne („Adenauer-Wahlkreis“). Das vergangene Jahrzehnt sei nie ruhig gewesen, jeder Tag habe neue Herausforderungen gebracht, blickt er zurück. 2001 etwa sei es gelungen, beim Bund 83 Millionen D-Mark für die Bonner Kultur locker zu machen, auf sein Mitwirken hin wurde 2003 die Südtangente, also die Autobahnverbindung von der A 565 (Bonn-Meckenheim) zur A 3 (Köln-Frankfurt), aus der Bundesplanung genommen. 2004 gehörte er zu den Gegnern der Pläne des damaligen Bundesinnenministers Otto Schily, das Bundeskriminalamt von Meckenheim nach Berlin zu verlegen. Auch da war Röttgen sein Partner. Kelber hält ihn für „den klügsten Kopf im Kabinett, aber für einen extrem schlechten Umweltminister“.

Trotzdem sei die Zusammenarbeit mit ihm gut, gerade in der Frage der Einhaltung des Berlin / Bonn-Gesetzes, eines dominierenden Themas des vergangenen Jahrzehnts. Aktuell kämpfe er mit den Kollegen aus der Region darum, dass Bonn weiter Zentrum der Entwicklungspolitik bleibe und es nach der Fusion der nationalen Entwicklungsdienste GTZ, InVent und DED keine Verlagerung hin zum bisherigen GTZ-Standort Eschborn (Hessen) gebe. Der stellvertretende Fraktionschef ist weiter davon überzeugt, dass ein Komplettumzug der Ministerien nach Berlin zu teuer sei.

Mit Sorge betrachtet er die Situation um den Skandalbau WCCB. „Es tut weh, kein Konferenzzentrum zu haben.“ Die Zusage an die UNO, in Bonn für ausreichende Tagungskapazitäten zu sorgen, müsse eingehalten werden. Ansonsten brauche sich niemand zu wundern, „dass es irgendwann eine Konferenzentscheidung gegen Bonn gibt“.

Kelber, gelernter Informatiker, will auf seiner Internetseite einen „Jungen Ratschlag“ einrichten: Schulklassen sollen dort über ein aktuelles politisches Thema debattieren und ihm sagen, wie er entscheiden soll. Darüber will der Abgeordnete dann mit den Jugendlichen diskutieren.



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